Versandstudie: Ängste & Ansprüche

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Berlin - Weniger als ein Viertel der Deutschen würde seine Arzneimittel nicht online bestellen, weil es Vorbehalte gegen Online-Apotheken hat. Zwei Drittel der Deutschen hingegen haben bereits im Internet Medikamente geordert. Zu diesen Ergebnissen kam der „Healthcare-Barometer 2019“ von Pricewaterhouse Coopers (PwC) bereits im Februar. Nun hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft weitere Zahlen zur Versandapothekenbranche veröffentlicht. Die zeigen: Es herrscht wenig Kenntnis über die Struktur des Marktes und einige Verunsicherung.

Der Durchschnittsbürger will Geld sparen und bestellt seine Arzneimittel deshalb online – ist sich aber nicht ganz sicher, ob das angesichts von Fälschungen und möglichen Nebenwirkungen so eine gute Idee ist. Diesen Schluss legen die Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung nahe, die PwC am Donnerstag veröffentlicht hat. Ein Teil der Zahlen war bereits im Februar veröffentlicht worden und gab den Apotheken vor Ort wenig Grund zur Freude: Demnach bestellen zwei Drittel Arzneimittel heute schon online und bald könnten es drei Viertel sein. 10 Prozent sagen, „bislang noch nicht, plane es aber zukünftig zu tun“. Nur ein knappes Viertel der Befragten kreuzte an, dass es noch nie Arzneimittel online bestellt hat und „das auch in absehbarer Zeit“ nicht vor habe.

Ebenfalls bitter für die Vor-Ort-Apotheke ist die Tatsache, dass es gut drei Vierteln der Befragten dabei vorrangig ums Geld geht. Für 76 Prozent ist der Preis das entscheidende Kriterium bei der Wahl einer Online-Apotheke. Offenbar sind sich die Internetkunden ihrer Sache aber trotzdem nicht so sicher: Mehr als die Hälfte gab an, dass sie bei Bestellungen aus dem EU-Ausland Angst vor gefälschten Medikamenten hat. Der jetzt veröffentlichte zweite Teil gibt einen etwas tieferen Einblick in die Wünsche und Sorgen der Verbraucher. Unter anderem wollten die Studienautoren von dem Viertel, das noch nie bei einer Versandapotheke bestellt hat, wissen, wieso das so ist. Mit 44 Prozent sagten die meisten, sie würden generell einfach wenig Medikamente brauchen, „da lohnt sich das nicht“, so die Antwortvorgabe. Schon auf dem zweiten Platz folgt hingegen eine indirekte Wertschätzung für die Apotheken vor Ort: 38 Prozent gaben an, dass ihnen die persönliche Beratung fehle. Auch auf Platz drei wird ein Vorteil der Offizin deutlich: „Lieferung dauert zu lange – bei der Apotheke vor Ort bekomme ich die Medikamente sofort“, kreuzten 30 Prozent der Befragten an.

Mit 26 Prozent immerhin mehr als ein Viertel hat nach eigenen Angaben nicht bestellt, weil es kein Vertrauen in den Apothekenversandhandel hat. Bricht man das auf die Gesamtmenge der Befragten herunter, fällt jedoch schnell auf: Es klingt im ersten Moment nach mehr als es ist. Nur rund 6 Prozent der 1000 Befragten gaben an, kein Vertrauen in Versandapotheken zu haben. Immerhin 18 Prozent derer, die noch nie bestellt haben, gaben an, es sei ihnen insbesondere bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln zu aufwändig. Trotz Boni und Dumpingpreisen: 13 Prozent gaben an, dass ihnen Online-Apotheken durch die Versandkosten zu teuer seien und 11 Prozent, dass es bei den meisten Medikamenten keinen Preisvorteil gebe. Jeweils 5 Prozent erwarten beim Internethandel eine schlechtere Qualität der Produkte oder lehnen Online-Bestellungen generell ab.

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