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Kleinkind: Apotheker verhindert Fehlmedikation

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Berlin -

Wenn der Arzt bei der Verordnung eines Medikaments auch nur in der Zeile verrutscht, kann ein solcher Fehler zu ernsthaften Konsequenzen führen, vor allem wenn das Medikament für ein Kleinkind bestimmt ist. Im rheinland-pfälzischen Alzey konnte Apotheker Matthias Blüm verhindern, dass ein dreijähriges Kind ein Erwachsenen-Antibiotikum bekam. Auf Facebook danken ihm seine Kunden dafür, dass er nicht nur da ist, sondern seinen Job gewissenhaft macht.

Es war Sonntagnachmittag. Blüm verrichtete bereits seit einigen Stunden den Sonntagsnotdienst in seiner Apotheke am Damm in Alzey. Der Dienst verlief zunächst ohne besondere Vorkommnisse. 30 bis 40 Kunden haben sich schon ihre Medikamente geholt. Doch als eine Frau ein Rezept einlösen wollte, fiel dem erfahrenen Apotheker ein Fehler auf. Das verordnete Antibiotikum auf dem Rezeptformular eines örtlichen Kinderarztes war für Erwachsene bestimmt.

„Es handelte sich um Cefaclor, und zwar als Tabletten mit entsprechend hoher Dosierung“, erklärt Blüm. „Für ein Kleinkind wird das Antibiotikum ja niedrig dosiert als Saft abgegeben.“ Die Einnahme des Medikaments hätte seinen Angaben nach beim dreijährigen Kind, für das das Medikament bestimmt war, zu großem Schaden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall bis hin zu Krampfanfällen führen können.

Der Apotheker rief sofort den Kinderarzt an. Dieser hatte zwar seine Sprechstunde inzwischen beendet, gibt auf dem Anrufbeantworter aber seine Mobilnummer. „Ich habe ihn noch im Auto erreicht“, berichtet Blüm. Der Arzt sei geschockt gewesen und entschuldigte sich für seinen Fehler. Es stellte sich heraus, dass der Mediziner beim Ausstellen des Rezeptes einfach „nur“ in der Zeile verrutscht war.

Um den Arzt nicht an den Pranger zu stellen, habe er daher sehr behutsam mit der Mutter des Kindes über den Fehler kommuniziert. „Ich habe ganz sachlich gesagt, dass das Rezept fehlerhaft ist und eine Rücksprache mit dem Arzt notwendig ist“, berichtet Blüm. „Wir alle machen Fehler. Gerade diesen Arzt kenne ich sonst als sehr zuverlässig und sorgfältig.“

Nach dem Notdienst machte der Apotheker den Vorfall auf der Facebook-Seite seiner Apotheke bekannt. Sein Ziel: Den Menschen zu zeigen, wie wichtig eine Apotheke vor Ort ist, die nicht nur ihren 24-Stunden-Dienst leistet, sondern auch ihr Bestes tut, um genau solche Fehler zu verhindern. „Wir sind nicht einfach nur offen, wie beispielsweise eine Tankstelle“, betont Blüm. Doch das sei nicht allen bewusst.

Und so richtet der Apotheker in seinem Facebook-Beitrag eine deutliche Warnung an die Leser: Wer weiterhin seine Medikamente im Internet bestelle, mache genau dieses System kaputt. „Wir kennen halt noch unsere Kunden und somit fallen Fehler viel leichter auf“, schreibt er. „Wer in Internetapotheken kauft, zerstört die Apotheke vor Ort. Irgendwann braucht sich dann kein Alzeyer mehr wundern, wenn er nachts 50 Kilometer zur nächsten Notdienst-Apotheke fahren muss.“

Der Apotheker beendet den Beitrag mit den Worten: „Diese Geschichte ist tatsächlich gerade eben in meinem Notdienst passiert. Ich hoffe, ich konnte Sie etwas zum Nachdenken anregen.“ Bei manch einem zeigt der Vorfall durchaus Wirkung. Der Beitrag wurde oft geteilt und zahlreiche Menschen haben Kommentare hinterlassen, in denen sie sich zu ihrer Apotheke vor Ort bekennen. „Die Apotheke vor Ort, wichtiger denn je. Perfekt reagiert“, schreibt Ralf Hüthwohl. Auch Buchhändlerin Katharina Philipp pflichtet ihm bei: „Ein Vorfall, der belegt, wie wichtig die Apotheke vor Ort ist. Diese lässt sich nur erhalten, wenn nicht nur im Notfall vor Ort gekauft wird. Eine mögliche falsche Verordnung und die Folgeschäden können so verhindert werden.“ Auch Marlies Schneider lobt den aufmerksamen Apotheker. „Da weiß ich, dass ich gut aufgehoben bin.“

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