Die Apotheken-Streichliste ist online

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Berlin - Das war wirklich gemein: Erst sollten die Apotheker diesen umfassenden Fragebogen ausfüllen, damit ihr Honorar neu berechnet werden kann. Dann kommt aufgrund eines perfiden Tricks im Fragebogen heraus, dass die Apotheken viel zu viel Geld bekommen. Einige von ihnen sollen deshalb bald sterben, schlagen die Gutachter vor. Und jetzt das: Gegenüber der Politik sollen die Inhaber begründen, warum ausgerechnet ihre Apotheke gerettet werden soll. Eine Protestaktion dagegen verpufft.

Die Apotheker haben diesen etwas merkwürdigen Brief erhalten. Der Vordruck sieht fast aus wie ein Bewerbungsschreiben: Name und Anschrift der Apotheke sollen oben links eingetragen werden, auf der rechten Seite ist Platz für ein Foto. Ob dort die Apotheke oder das Team gezeigt werden soll, bleibt offenbar dem Inhaber überlassen.

Apotheker Heinz-Heinrich Mollenhauer, gute Freunde nennen ihn 2hm, hatte das Schreiben erst achtlos zur Seite gelegt, er hatte es schlichtweg für Satire gehalten. Doch als am Abend in seiner Erfa-Gruppe alle nur über ihre Bewerbungsmappe sprachen, wurde er nervös. „Ich habe schon alle Zahlen zusammen, zum Glück machen wir so viele Rezepturen“, prahlte eine junge Kollegin. Ein anderer hatte für den nächsten Tag schon einen Fotografen geordert, damit dieser die Offizin gut ausleuchtet. Nur der Chef der Siegfried-Apotheke, ein älterer Kollege aus der Innenstadt, saß kopfschüttelnd dabei und fand die ganz Aktion „unseres Berufsstandes unwürdig“.

Wieder zu Hause beugte sich Mollenhauer mit frischer Aufmerksamkeit über das Schreiben. Das Ganze war tatsächlich kein Scherz: Das Wirtschaftsministerium wollte auf Grundlage des Honorargutachtens wissen, welche Apotheken wirklich überflüssig sind. Deshalb sollte jeder Inhaber ein paar zusätzliche Angaben machen und in einem Motivationsschreiben belegen, warum sein Standort erhalten werden muss. Auf die Existenzgründung folgt die Existenzbegründung.

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