Honorargutachten

Apothekenrettung kostet drei Milliarden Euro Lothar Klein, 06.12.2017 11:16 Uhr

Berlin - Die Existenzrettung aller noch bestehenden knapp 20.000 Apotheken kostet rund drei Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt das vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) beauftragte Gutachten zum Apothekenhonorar. Nach Ansicht der Gutachter sind aktuell fast die Hälfte aller Apotheken „wirtschaftlich gefährdet“. Doch nicht jeder dieser Betrieb sollte gerettet werden. Die Experten empfehlen der Politik einen Umbau des Apothekenhonorars.

Die flächendeckende Arzneimittelversorgung ist in Deutschland nach Auffassung der Gutachter aktuell „nicht gefährdet“. Es könne für die Zukunft auch nicht „das Ziel einer angemessenen Versorgung der Bevölkerung sein, vollausgestattete Apotheken mit täglicher Öffnungszeit an Orten zur Verfügung zustellen, in welchen weder Ärzte verfügbar sind noch Lebensmittel eingekauft werden können“, heißt es in der Zusammenfassung des Gutachtens von Mitte November, die APOTHEKE ADHOC vorliegt.

Ein Verbot des Versandhandels sei vor dem Hintergrund der flächendeckenden Versorgung nicht zu rechtfertigen, „da der Versandhandel Arzneimittel direkt nach Hause liefert“. Auch Botendienste der Vor-Ort-Apotheken seien „effiziente Versorgungsformen“. Die Gutachter empfehlen der Politik eine weitere Studie zur aktuellen Versorgungsdichte der Apotheken.

Die Gutachter haben die wirtschaftliche Lage der Apotheken im Jahr 2015 genauer unter die Lupe genommen. Danach waren vor zwei Jahren 7600 Apotheken „wirtschaftlich gefährdet“, heißt es in der Zusammenfassung. Davon befänden sich 5300 Apotheken in städtischer Lage und 2300 in ländlichen Regionen: „Das sind insgesamt circa 47 Prozent aller Apotheken-Unternehmen, die in ihrem Brutto-Betriebsergebnis keinen angemessenen Unternehmerlohn im Vergleich zu einem Krankenhausapothekenleiter realisieren.“ Damit sei knapp die Hälfte der Apotheken für eine Übernahme „wirtschaftlich eingeschränkt attraktiv“.

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