Apothekenstärkungsgesetz

Hennrich will Lex Teleclinic , Uhr

Berlin - Wenn Digitalkonzerne das Tempo vorgeben, kommt die Politik mitunter nicht mehr hinterher. Von DocMorris an der Nase herumführen lassen will sich Michael Hennrich (CDU) aber nicht. Er will die Trennung von Verordnung und Abgabe verteidigen – und zwar noch im Apothekenstärkungsgesetz (VOASG).

Mit der Übernahme von Teleclinic habe Zur Rose eine 78ß Jahre alte Regel gebrochen. Medikamente dürften aus gutem Grund nicht von demjenigen verkauft werden, der sie verordnet. Noch ins VOASG will Hennrich daher ein Verbot einbringen, um die Trennung von Verordnung und Abgabe zu sichern. „Hier müssen wir Flagge zeigen und eine Regelung finden.“

Schon kurz nach der Übernahme hatte Hennrich erklärt: „Das müssen wir uns genauer ansehen. Es kann nicht sein, dass unter dem Deckmantel der Digitalisierung die bewährte Trennung der Heilberufe von Arzt und Apotheker ausgehebelt wird.“ Das Edikt von Salerno sei fester Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems. Die Übernahme der Teleclinic durch DocMorris sei daher ein „interessanter Vorgang“. Laut Hennrich müssen sich die Gesundheitspolitiker der Regierungskoalition und auch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit dieser Entwicklung und deren Konsequenzen intensiv befassen. Mittlerweile wurde ein entsprechender Prüfauftrag gestellt.

Doch auch juristisch gibt es bereits Ärger: Thomas Grittmann, Inhaber der Park-Apotheke in Miltenberg, geht mit Unterstützung der Noweda gegen die Videosprechstunden von Teleclinic vor. Gemeinsam mit seinem Anwalt Dr. Morton Douglas will er erreichen, dass Teleclinic in Video-Sprechstunden keine Rezepte mehr ausstellen darf, solange keine Möglichkeit besteht, diese Verschreibung auch tatsächlich in jeder Apotheke in Deutschland einzulösen. Zudem wird gefordert, dass den Patienten nicht länger suggeriert wird, die Rezepte könnten bei einer Apotheke seiner Wahl eingelöst werden. Vielmehr fordert er, dass dem Patienten transparent vermittelt wird, dass die verschriebenen Arzneimittel selbst zu bezahlen sind. Auch dies sei bei Teleclinic nicht transparent gekennzeichnet.

Für Zur Rose stellt Teleclinic nach Angaben des Managements einen „strategisch wichtigen Baustein“ im hauseigenen Gesundheitsökosystem dar. Eigentlich hatte DocMorris erst vor einem halben Jahr eine Kooperation mit dem Konkurrenten Kry vereinbart – da eine Übernahme des schwedische Branchenpioniers nicht infrage kam, musste Zur Rose das Pferd wechseln. Entsprechend großzügig bemessen war der Kaufpreis von 43,5 Millionen Euro – 38,6 Millionen Euro zahlte Zur Rose in bar, den Rest in Aktien.

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