DocMorris: Chance oder Risiko für Apotheken?

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Berlin -

Für seine Plattform sucht DocMorris auch Apotheken als Partner – CEO Olaf Heinrich schlägt daher seit einiger Zeit versöhnliche Töne an. Dr. Hermann Sommer, Chef von Noventi, will ihn damit nicht durchkommen lassen: Er wirft DocMorris vor, am Untergang der Apotheke vor Ort zu arbeiten. Das Handelsblatt veröffentlichte ein Streitgespräch der beiden Manager, in dem die sich einen Schlagabtausch darüber liefern, wer mit seinem Geschäftsmodell die Zukunft der Arzneimittelversorgung sichert und wer sie für rein wirtschaftliche Interessen gefährdet.

„Wir sind eine Chance für die Apotheken, den Sprung in das digitale Zeitalter zu schaffen, denn dafür braucht es Verbündete“, sagt Heinrich im Streitgespräch. „Auf unserer Gesundheitsplattform wollen wir gemeinsam mit den Vor-Ort-Apotheken dem Kunden alle Möglichkeiten bieten, sodass Versand- und klassische Apotheken wunderbar nebeneinander existieren können.“ Alles andere seien „Spekulationen ins Blaue“.

Sommer macht sich dagegen nach eigener Aussage „große Gedanken, ob die klassische Apotheke und damit die bislang gut funktionierende deutsche Gesundheitsversorgung weiterbestehen kann, wenn ausländische Versandapotheken wie DocMorris immer weiter vordrängen“. Das E-Rezept werde den Versandhandel immens stärken. „Das darf nicht die Zukunft sein, wenn wir unsere hohe Qualität bei der Arzneimittelversorgung beibehalten wollen. Denn je mehr Versandhandel es gibt, desto weniger Apotheken vor Ort wird es geben.“

Auch Noventi wolle die Arzneimittelversorgung in die digitale Welt bringen. Plattformen von Versendern degradierten dagegen die klassischen Apotheken zu „reinen Auslieferstellen“. Heinrich selbst habe bereits erklärt, dass er nur rund 1100 Vor-Ort-Apotheken für seine Plattform benötige. „Das zeigt, wie DocMorris das System gefährdet“, so Sommer gegenüber dem Handelsblatt.

Heinrich wies das zurück: „Allerhand wissenschaftliche Untersuchungen“ würden zeigen, dass der Versandhandel gar nicht zum Apothekensterben beitrage. „Außerdem werden wir doch gar kein Monopolist sein. Sie arbeiten doch ebenfalls mit vielen anderen Partnern an einer Onlineplattform für Apotheken. Ich will die flächendeckende Versorgung stärken und nicht gefährden.“

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