Apora abgesagt, kompletter Neustart

Mega-Plattform: Phoenix verbündet sich mit Pro AvO

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Berlin -

Zwei Jahre lang hat die Initiative Pro AvO (Pro Apotheke vor Ort) auf den Launch ihrer Apothekenplattform hingearbeitet. Am gestrigen Abend sollte das Konzept den Apothekern vorgestellt werden, doch stattdessen wurde eine ganz andere Neuigkeit präsentiert. Denn mit Phoenix wurde schlussendlich doch noch ein entscheidender Partner gewonnen – gemeinsam plant man jetzt den ganz großen Wurf.

Bei dem geplanten Gemeinschaftsprojekt geht es um nicht weniger als die „erste zentrale Gesundheitsplattform Deutschlands“. Hier sollen Verbraucher die Angebote verschiedener Leistungserbringer recherchieren und nutzen können. Geplant ist die Anbindung von Apotheken, Ärzten und anderen Heilberuflern, Pflegediensten etwa oder Sanitätshäusern. Sogar die Krankenkassen sollen mitmachen.

In einem ersten Schritt sollen noch diesem Jahr die unterschiedlichen digitalen Angebote von Phoenix (Deine Apotheke) und Pro Avo (Apora) sowie von Noventi (CallmyApo), Gehe (Gesund leben) und Sanacorp (Mea) integriert werden – in dem Sinne, dass die besten Ansätze gemeinsam weiterverfolgt und unter einheitlichem Namen vermarktet werden. Deine Apotheke von Phoenix sei bisher ein erfolgreiches Projekt gewesen, erklärt dazu Phoenix-Deutschlandchef Marcus Freitag: „Aber uns war auch immer vollkommen klar, dass wir das Thema am Ende würden größer denken und nicht nur Apotheken, sondern auch andere Dienstleister ein- und die elektronische Patientenakte anbinden müssen.“ In den gemeinsamen Gesprächen sei allen Beteiligten klar geworden, „dass die größte Gefahr nicht aus der Branche kommt, sondern von außerhalb“.

Unter welcher Marke die neue Plattform an den Start gehen wird, ist noch nicht entschieden. Klar ist aber, dass Pro AvO durch ein neues Joint Venture ersetzt wird, an dem neben Noventi, Wort & Bild, BD Rowa, Gehe und Sanacorp eben auch Phoenix beteiligt ist. Dass der neue Partner nicht einfach beim bestehenden Bündnis eingestiegen ist, dürfte der Gesichtswahrung geschuldet sein – auch wenn immer wieder betont wird, dass es keinen Raum für Eitelkeiten gegeben habe.

Die Plattform soll online und per App für die Verbraucher erreichbar sein, die hier ihren kompletten gesundheitlichen Versorgungsbedarf koordinieren und zukünftig auch auf ihre elektronische Patientenakte zugreifen können sollen. „Das bestehende Vertrauensverhältnis zu den Gesundheitsversorgern vor Ort wie etwa Ärzten und Apothekern wird durch die digitale Verbindung nahtlos ergänzt“, heißt es seitens der Projektpartner.

Durch die Bündelung der bestehenden digitalen Aktivitäten der Partner soll die neue Plattform bereits zum Start eine der größten Gesundheitsplattformen in Deutschland sein und neue Standards setzen. „Wir gehen davon aus, dass sich bereits innerhalb des ersten Jahres unter anderem mehr als 10.000 Apotheker und tausende weitere Leistungserbringer der Plattform anschließen werden.“

Für Verbraucher soll die Plattform zur wichtigsten digitalen Anlaufstelle in Gesundheitsfragen werden – um Bekanntheit zu erzielen, werden die Medien von Wort & Bild (Apotheken Umschau) und den Phoenix-Partnern Payback und Funke genutzt. Payback wird kein Teil des Joint Ventures sein, der Vertrag läuft weiterhin exklusiv mit Phoenix. Patienten sollen flächendeckend einen niedrigschwelligen Zugang zu Leistungserbringern vor Ort erhalten. Gleichzeitig soll die wohnortnahe Versorgung gestärkt werden – etwa durch den apothekeneigenen Botendienst, der schneller und nachhaltiger liefern soll als der Versandhandel.

Die Leistungserbringer sollen von der schnelleren Kommunikation mit Verbrauchern, einer stärkeren Patientenbindung sowie einem Plus an Transparenz für eine ganzheitliche Gesundheitsversorgung profitieren.

Die technische Infrastruktur der Plattform soll ausschließlich in Deutschland betrieben werden und den europäischen Datenschutz­be­stimmungen unterliegen. Offene, standardisierte Schnittstellen sollen die nahtlose Integration aller Anbieter garantieren, die einen gesundheitlichen Nutzen für den Verbraucher bieten.

„Mit der neuen Gesundheitsplattform entwickeln wir den Netzwerkgedanken der digitalen Gesundheitsversorgung konsequent und verbraucherorientiert weiter“, so Freitag. „Ein einziger standardisierter und offener Zugang zu den wichtigsten Dienstleistungen im Gesundheitsmarkt statt Insellösungen – davon profitieren die Patienten ebenso wie die Leistungserbringer. Das ist wegweisend für Deutschland.“

„Ein partnerschaftlicher Digitalauftritt ist der entscheidende Schritt in Richtung Zukunft für die Heilberufler Deutschlands im Allgemeinen und für die inhabergeführten Vor-Ort-Apotheken im Besonderen“, ergänzt Dr. Hermann Sommer, Vorstandsvorsitzender von Noventi. „Gegen die Marktplätze globaler Großkonzerne können wir nur gemeinsam bestehen. Die Plattform ist darüber hinaus mehr als ein Marktplatz: Sie wird vertrauenswürdiger Ort für alle Fragen rund um die Gesundheit sein.“

Laut Andreas Arntzen, CEO des Wort & Bild Verlags, garantiert die Bündelung von Kräften gleichzeitig mehr Reichweite: „Die Kooperation der führenden Unternehmen im Bereich Pharmazie, Apotheken und anderer Leistungserbringer garantiert dem Patientenportal von Beginn die erforderliche große Durchschlagskraft.“

Pro AvO war Ende 2018 von Noventi, BD Rowa, Wort & Bild sowie Gehe und Sanacorp gegründet worden. Von Anfang an hatten die Initiatoren weitere Partner gesucht; unter den Kooperationen haben sich bereits Linda und Parmapharm (Gesund-ist-bunt) sowie Avie und Vitaplus der Initiative angeschlossen. Phoenix wiederum bringt ARZ Haan und Funke als Partner mit. Nach dem Zusammenschluss von Pro AvO mit dem Branchenprimus im Großhandel und der geplanten Fusion von Gehe/Alliance ist der Markt auf dieser Ebene komplett verteilt. Noweda und Pharma Privat haben sich mit Burda zum Zukunftspakt Apotheke zusammengeschlossen; hier ist außerdem der Automatenhersteller Apostore dabei.

 

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