Plattformen: DocMorris weiß, wie's geht

, Uhr

Berlin - Der Apotheken- und Arzneimittelmarkt ist im Umbruch. Das klingt nach einer Binsenweisheit, in seiner wirklichen Tiefe haben viele das aber immer noch nicht verstanden: Die vielen Plattformen und Kooperationen, die seit einigen Jahren über den Markt spülen, sollen kein Aktionismus sein, sondern einen grundlegenden Wandel abbilden. Das Problem: De facto sind viele von ihnen größtenteils Aktionismus. Nimmt man die unterschiedlichen Modelle unter die Lupe, zeigen sich Unterschiede nicht nur in der Strategie, sondern vor allem in den Erfolgsaussichten, erklärt Plattform-Experte Hamidreza Hosseini.

Plattform hier, Portal da und mittendrin Apotheken, von denen viele noch nicht wissen, wie sie mit den neuen Angeboten umgehen sollen. „Solange man sich da vorbereitet, seine eigenen Hausaufgaben macht, sehe ich da eine gute Möglichkeit“, erklärte Gematik-Chef Dr. Markus Leyck-Dieken erst kürzlich wieder. Aber wie sehen solche guten Vorbereitungen aus?

Auf ein Pferd setzen oder versuchen, möglichst überall dabei zu sein? Oder soll man Plattformen boykottieren, weil Versender wie DocMorris oder Shop-Apotheke dahinterstehen oder mit an Bord sind? „Am besten sollte die Apotheke neben der eigenen Shoplösung auf möglichst vielen Plattformen präsent sein, um eine möglichst hohe komplementär Reichweite zu erzeugen“, sagt Hosseini. „Gleichzeitig sollte man sich eigene Unique Selling Points schaffen: Dazu stellt sich die Frage, ob es in der Nähe tangierende Bereiche zum eigenen Angebot gibt und lokale und regionale Ökosysteme gebaut werden können.“ Denn damit könne man nicht nur Mitnahmeeffekte aus anderen Netzwerken schaffen, sondern vor allem eine eigene Position aufbauen, die nicht so leicht ersetzt werden kann.

„An solchen lokalen Netzwerken werden sich die großen Plattformen die Zähne ausbeißen“, so der Dozent für Plattformökonomie und Digitalisierung an der WHU Otto Beisheim School of Management, der mit seiner Beratungsfirma Ecodynamics Unternehmen zu Plattformstrategien berät, darunter in der Vergangenheit auch die Apobank. „Denn es ist für große Plattformen schwer, da hereinzukommen, wo persönliche Beziehungen und Geflechte eine große Rolle spielen, wo der Händler die Kunden persönlich kennt, sie teilweise länger begleitet, versteht und ihnen ein besonderes Erlebnis bietet. Die lokale Verzahnung ist der große Unique Selling Point der Apotheken.“ Denn auch wenn sich immer mehr ins Internet verlagert und internationale Konzerne vom Arzneimittelversand bis zur E-Rezept-Infrastruktur eine immer größere Rolle im Gesundheitswesen spielen, solle man sich makroökonomisch keinen falschen Vorstellungen hingeben: „Die letzten Jahre haben gezeigt: Es wird nur bedingt eine totale Globalisierung geben, sondern vielmehr eine Mischung aus Globalisierung und Lokalisierung.“

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Übelkeit, Durchfall & Co. im Sommer
Wenn die Hitze auf den Magen schlägt»
Die Psyche übernimmt das Kommando
Wenn der Stress auf den Magen schlägt»