„Wir orientieren uns nicht an Amazon“

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Berlin -

DocMorris und der Mutterkonzern Zur Rose sehen sich für einen möglichen Einstieg von Amazon in den Medikamentenmarkt gut gewappnet. „Wir geben Gas, wir bauen unseren eigenen Online-Gesundheitsmarktplatz auf“, sagte CEO Walter Oberhänsli der Deutschen Presse-Agentur. Die Plattform soll noch in diesem Jahr in Deutschland starten. Dafür reiche Oberhänsli stationären Apothekern, die in dem Konkurrenten eher einen Branchenschreck sehen, die Hand, heißt es in dem Bericht: Sie sollen die Plattform mitnutzen.

Oberhänsli weist auch Gedankenspiele von Branchenspezialisten über eine Fusion mit dem Konkurrenten Shop Apotheke nicht von der Hand. „Wir wären dumm, wenn wir sagen würden: Das kommt niemals in Frage“, sagte Oberhänsli. „Im Moment ist das aber kein Thema.“ Wenn Amazon nach Zur Rose greifen würde, müssten die Aktionäre über ein Angebot entscheiden.

Oberhänslis Vision: Ein Online-Marktplatz, der neben einem E-Rezeptservice und Angeboten stationärer Apotheker auch Serviceleistungen von Krankenkassen, Versicherungsprodukte und Apps zum Gesundheitsmanagement anbietet. Gespräche mit Apothekenverbünden liefen bereits. „Wir sind zuversichtlich, weil wir glauben, dass es viele Apotheken gibt, die die Zukunft mitgestalten wollen.“

Zur Rose hat eigenen Angaben zufolge neun Millionen Kunden, acht Millionen davon in Deutschland. Die Corona-Krise hat der Gruppe im März einen rasanten Boom beschert, auf den aber mit den Ausgehbeschränkungen im April und Mai ein Einbruch folgte. „Wir liegen bei den Bestellungen jetzt in etwa auf dem Niveau von vor der Krise, vielleicht etwas höher“, so Oberhänsli. Es seien deutlich mehr Hygienemittel, Vitamine und Mineralstoffe bestellt worden.

Die Corona-Krise sei ein Paradigmenwechsel: „Sie beflügelt die Akzeptanz für den Bezug von Arzneimitteln per Versand.“ Oberhänsli rechnet damit, dass der Umsatz mit rezeptpflichtigen Medikamenten in Deutschland bei Versandapotheken durch das E-Rezept von heute 1,4 Prozent in drei bis fünf Jahren auf mehr als 5 Prozent steigt. Seine Zielgruppe sind chronisch Kranke, die
regelmäßig Medikamente beziehen.

Als Plattformbetreiber würde die Zur Rose-Gruppe an Umsätzen mit rezeptfreien Medikamenten anderer, die dort Dienste anbieten, mitverdienen – wie Amazon auf seiner eigenen Plattform. Der Konzern kassiert nach Branchenangaben 15 Prozent. Was Zur Rose plant, sagt Oberhänsli nicht. Nur dies: „Wir orientieren uns nicht an Amazon.“ Womöglich gebe es auch Sonderpreise in der Einführungsphase.

 

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