Teleclinic & Co.

Die Angst vor dem Apotheker-Arzt Alexander Müller, 27.08.2020 10:02 Uhr

Berlin - Die Übernahme des Telemedizin-Anbieters Teleclinic durch Zur Rose hat die Apotheker kalt erwischt. Mehr denn je besteht die Sorge, dass online ausgestellte eRezepte künftig direkt an DocMorris weitergereicht werden. Die Abda fordert ein Einschreiten der Politik, ein Verband prüft zudem rechtliche Schritte. Doch gerade dieser Fall zeigt, wie schwer sich die Apotheker mit dem neuen Gegner der Verschreibungsplattform tun.

Zur Rose hat Teleclinic für mehr als 40 Millionen Euro gekauft. Es ist eine Wette, denn bislang sind die Umsätze überschaubar. Der DocMorris-Mutterkonzern wird aber wissen, warum er diese Summe investiert hat. Landesapothekerkammer und Landesärztekammer Brandenburg appellieren gemeinsam an die Politik und an die Aufsichtsbehörden, auf die rote Linie zwischen Ärzten und Apothekern zu achten. „Die freie Apothekenwahl muss gewährleistet bleiben“, erklärte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) Ende Juli auf Anfrage. Zuvor hatte bereits CDU-Gesundheitspolitiker Michael Hennrich gewarnt: „Das müssen wir uns genauer ansehen.“

Apothekerin Theresia Neumann war entsetzt, als sie von dem Teleclinic-Deal erfuhr. Neumann heißt eigentlich anders, hätte zwar selbst keine Probleme, mit ihrem Klarnamen aufzutreten, will aber ihre Landesapothekerkammer vor Anfeindungen schützen. Der lange Brief an ihre Kammer und ihren Verband dreht sich um die Frage: „Inwiefern sehen Sie Handlungsbedarf, die Patienten im Sinne von Verbraucherschutz und unter Anwendung geltender Gesetze vor solchen Geschäftemachern zu bewahren, indem man das Betreiben solcher Portale gerichtlich untersagen lässt?“

Neumann sieht die Grundfesten des Systems attackiert: „Seit Hunderten von Jahren existiert mit gutem Grund eine Trennung zwischen Arzt und Apotheke, geschichtlich verankert im Edikt von Salerno, und bis vor einigen Monaten auch allgemein anerkannter Standard“, schreibt die Apothekerin. Diese Grundregel werde nun nicht mehr nur „missachtet“, sondern „aktiv ausgehöhlt“ von Internet-Versendern wie Teleclinic.

TeleClinic-CEO Katharina Jünger erklärte gegenüber APOTHEKE ADHOC, dass es in der kommenden Woche eine neue digitale Lösung geben soll, mit der Kunden eine Apotheke vor Ort auswählen könnten. Man sei nur durch die abrupte Beendigung der Kooperation seitens apotheken.de in die Situation geraten, dem Kunden in der App kurzfristig nur die Versandapotheke Mache für die Rezepteinlösung anbieten zu können. „Darauf wird der Kunde auch aktiv hingewiesen“, so Jünger. Nach ihrer Aussage gibt es bis dahin zusätzlich die Möglichkeit des postalischen Versands des Rezepts – aber nur auf Nachfrage des Kunden. Man habe keinerlei Interesse daran, die freie Apothekenwahl bei der Einlösung des Rezepts zu umgehen, versicherte Jünger.

Aber die neue DocMorris-Schwester ist ja bei Weitem nicht der einzige Anbieter. Die Vermischung von Arzt und Apotheker gebe es auch bei Deutsche Medz, am deutlichsten aber auf dem Portal DoctoABC, so Neumann. Das Versprechen hier lautet: „Ihr Arzt und Apotheken Service online.“ Angeboten werden diskrete und qualifizierte Behandlung, Konsultation und Rezept online sowie freie Lieferung am Folgetag.

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