DAV vs. VAD

Die Importeure schlagen zurück Tobias Lau, 26.07.2018 07:34 Uhr

Berlin - Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) zieht seine eigenen Schlüsse aus dem „Lunapharm-Skandal“ um mutmaßlich gestohlene Zytostatika. Fritz Becker hält die Importquote für überholt und gefährlich für die Arzneimittelsicherheit. Das wollen die Importeure nicht auf sich sitzen lassen: Beckers Import-Diskussion trage „trumpsche“ Züge, seine Äußerungen zeugten „von wenig Marktkenntnis“, kritisiert der Verband der Arzneimittelimporteure Deutschlands (VAD). Unterstützung erhält Becker aber von der AOK.

Vergessenheit, Unkenntnis, „weder sachgerecht noch zielführend“: Der VAD teilt kräftig gegen DAV-Präsident Becker aus. Der hatte in der Diskussion über den Arzneimittelskandal um mutmaßlich gestohlene Zytostatika die Importquote ins Visier genommen. „Die Importquote ist ein mittlerweile überholtes Kostendämpfungsinstrument, das in Zeiten der Arzneimittel-Rabattverträge kaum noch Einsparungen erzielt“, so Becker am Dienstag. Ihre Erfüllung „verursacht nicht nur erheblichen bürokratischen Aufwand in der Apotheke, sondern gefährdet vor allem die Arzneimittelsicherheit für die Patienten“.

Denn der verordnete Import verringere die Sicherheit der hierzulande abgegebenen Arzneimittel. „Lange und grenzüberschreitende Lieferketten erhöhen das Risiko für das Einschleusen von gestohlenen und gefälschten Medikamenten“, so Becker. „Jeder Apotheker braucht den Spielraum, um sich bei Sicherheitsbedenken im Einzelfall gegen ein Importmedikament entscheiden zu können.“

Das hält man beim VAD für Unfug. Der jetzige Skandal habe mit dem legalen und politisch gewollten Arzneimittelhandel innerhalb der EU nichts zu tun. Stattdessen liege der Skandal „in den offenkundig illegalen Aktivitäten eines Kleinsthändlers und der mangelhaften Koordination und Kooperation der zuständigen Ermittlungs- beziehungsweise Aufsichtsbehörden“, schreibt der Verband. Die Forderung Beckers nach einer Streichung der Importquote sei deshalb „weder sachgerecht noch zielführend und zeugt insgesamt von wenig Marktkenntnis des DAV-Vorsitzenden.“

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