Interview Jörg Geller (Kohlpharma)

„Warum sollten wir uns diesen Schuh anziehen?“ Alexander Müller, 21.08.2018 07:57 Uhr

Berlin - Als die ABDA vor vier Jahren zum Angriff auf die Importquote blies, passiert: nichts. Doch der Fall Lunapharm hat die Debatte neu entfacht. In der Branche scheint man nervös, doch beim Marktführer Kohlpharma gibt man sich betont gelassen. Im Interview erklärt Geschäftsführer Jörg Geller, warum Apotheker dankbar für die Importquote sein sollten und wo Verbesserungsbedarf besteht.

ADHOC: Die Debatte um Importe wird seit Jahren geführt. Machen Sie sich wegen dem Lunapharm-Skandal trotzdem Sorgen?
GELLER: Da gibt es im Prinzip überhaupt nichts Neues. Ich bin seit rund 20 Jahren in der Branche tätig – den Namen Lunapharm hatte ich noch nie gehört, bis die Firma jetzt in die Medien kam. Die hatte keinerlei Bedeutung im Markt. Und da frage ich mich schon: Warum kaufe ich als Apotheker bei einer Firma ohne Reputation ein, die ihren Sitz in einem Einfamilienhaus hat?

ADHOC: Trotzdem hätte es den Fall ohne den Importmarkt nicht gegeben. Und jetzt steht wieder die ganze Branche am Pranger. Sind Sie nervös?
GELLER: Wieso sollte ich? Kohlpharma feiert im nächsten Jahr 40-jähriges Firmenjubiläum. Wir hatten in all den Jahren keine einzige Beanstandung. Warum sollten wir uns diesen Schuh anziehen? Wer bis drei zählen kann, würde auch nicht erwarten, dass uns dieser Schuh passt. Meine Signale aus der Politik sind jedenfalls vollkommen andere. Das ist letztlich wie im Fall Peter Stadtmann. Niemand käme auf die Idee, dass alle Apotheker sich so verhalten, nur weil es diesen einen Fall gibt. Auch den Valsartan-Fall hätte es ohne Generika nicht gegeben. Da kann man auch nicht eine ganze Branche im Grundsatz in Frage stellen.

ADHOC: Sie haben Kritiker öffentlich mit deren eigener hohen Importquote konfrontiert. Nehmen Sie die Diskussion persönlich?
GELLER: Nein, überhaupt nicht. Aber wenn der Zytoapotheker Dr. Stadler öffentlich und undifferenziert zum Boykott aufruft, muss er sich die Frage nach seiner Glaubwürdigkeit schon gefallen lassen.

ADHOC: Sie geben immerhin die Geschäftsbeziehung zu einer Apotheke preis.
GELLER: Wir haben keine Geschäftsbeziehung zu dieser Apotheke. Das sind Abrechnungsdaten des Herstellerrabatts, die uns vorliegen und die Herr Dr. Stadler kaum bestreiten wird. Vielleicht hätten die an dieser Diskussion interessierten Kreise sich besser einen glaubwürdigeren Kronzeugen ausgesucht.

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