Parallelhandel

Eine Stimme für alle Reimporteure

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Berlin -

Die Parallelimporteure bündeln ihre politischen Kräfte: Unter dem Namen „Die Arzneimittel-Importeure“ treten der Bundesverband der Arzneimittel-Importeure (BAI) und der Verband der Arzneimittel-Importeure Deutschlands (VAD) künftig gemeinsam auf. Eine Fusion ist aber nicht geplant.

Der BAI wurde 1983 gegründet, ihm gehören Eurim, Orifarm und Pharma Gerke sowie einige kleinere Reimporteure an. 2000 stieg Kohlpharma aus und gründete den VAD; ihm gehören heute neben dem Marktführer Emra, Axicorp, ACA Müller und Haemato an.

Die Zeiten, in denen es nicht nur persönliche Animositäten, sondern auch unterschiedliche politische Ansichten gab, sind laut Jörg Geller, Geschäftsführer von Kohlpharma, vorbei. Man habe viele gemeinsame Interessen, die man miteinander abstimmen könne. Beide Verbände, die nach eigenen Angaben alle wichtigen Vertreter der Branche unter ihrem Dach vereinen, bündeln nun ihre Kräfte und beziehen künftig gemeinsam Stellung zu aktuellen Themen.

Eine Kostprobe gibt es zur Ankündigung direkt dazu: Parallelimporte seien ein bedeutendes Segment des Gesundheitsmarkts; so könnten sie beispielsweise dazu beitragen, Lieferengpässe zu bewältigen und so die Versorgungssicherheit zu verbessern, heißt es in der ersten gemeinsamen Erklärung.

Da es sich um Originalpräparate der führenden Hersteller handele, seien sie genauso sicher – nur preiswerter. „Dazu nutzen die Importeure Preisunterschiede von Markenarzneimitteln in den einzelnen EU-Ländern. Sie kaufen diese im Ausland kostengünstig ein und bringen sie nach Deutschland. Hier wird das vom Hersteller bereits freigegebene Produkt erneut geprüft“, wird Dr. Friederike Hrubesch-Mohringer, Vorstandsvorsitzende des BAI, zitiert. So versorgten die Importeure Patienten mit Originalmedikamenten zu niedrigeren Preisen. „Dabei sind sie den hohen Sicherheitsstandards verpflichtet, die für alle pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland gelten: Import-Arzneimittel sind Originale zum besten Preis.“

Laut Geller, der im Vorstand des VAD aktiv ist, entlasten Importe Patienten und Krankenkassen 2017 unmittelbar um 264 Millionen Euro, Tendenz steigend. „Bei teuren patentgeschützten Arzneimitteln stellen Importe häufig die einzige preisgünstige Alternative dar. Sie stärken den Wettbewerb, wirken preisregulierend und fördern den Abschluss von Rabattverträgen zwischen Herstellern und Krankenkassen. Das zahlt sich aus.“ Das indirekte Einsparpotenzial belaufe sich auf rund 2,6 Milliarden Euro.

Geller hat parallel gerade den Vorsitz des 1998 gegründeten europäischen Dachverbands EAEPC (European Association of Euro-Pharmaceutical Companies) übernommen. Auch sieht er für seine Amtszeit einige Herausforderungen. „Europa sieht sich im Wesentlichen zweier Probleme ausgesetzt, der Bezahlbarkeit und der Verfügbarkeit von Arzneimitteln. Auch in den kommenden Jahren wird unsere Branche den gesellschaftlichen Wert des Marktes nachweisen, indem wir weiterhin zu den benötigten Einsparungen beitragen und auch pan-europäische Lieferschwierigkeiten beseitigen helfen können.“

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