Phoenix hat zum Jahresbeginn den Reimporteuer Haemato Pharm übernommen. Ganz freiwillig kam der Verkauf für den bisherigen Mutterkonzern MPH womöglich nicht. Denn dessen zweitgrößte Beteiligung CR Energy musste im vergangenen Jahr plötzlich Insolvenz anmelden. Folge war ein zweistelliger Millionenverlust.
Bereits im April vergangenen Jahres hatte die Haemato AG mitgeteilt, dass sie ein Übernahmeangebot für ihr Reimportgeschäft erhalten habe. Im Herbst wurde bekannt, dass Phoenix hinter der Offerte steckte. Der Großhändler übernahm den Spezialanbieter schließlich zum 31. Januar und damit zum Ende seines Geschäftsjahres.
Der Konzern war mit seinem Angebot offenbar genau zur richtigen Zeit gekommen. Denn die oberste Konzernmutter des Reimporteurs musste im Laufe des vergangenen Jahres einen herben finanziellen Rückschlag verkraften.
Die Haemato AG als bisherige Eigentümerin von Haemato Pharm gehört zu 85 Prozent zur börsennotierten M1 Kliniken, die unter der Marke „M1 Med Beauty“ mehr als 50 Schönheitskliniken in verschiedenen Ländern betreibt, knapp 40 davon in Deutschland. Der Reimporteur ist daher seit einigen Jahren nicht mehr nur auf die speziellen Indikationsbereiche und Betäubungsmittel spezialisiert, sondern auch auf Produkte der ästhetischen Medizin.
An M1 wiederum ist zu 65 Prozent die selbst wiederum börsennotierte Holdinggesellschaft MPH Health Care beteiligt. Hinter der verschachtelten Konstruktion steht die Familie von Dr. Peter Brenske, Schwiegersohn von Ferfried Prinz von Hohenzollern.
MPH wiederum hatte bislang ein zweites wichtiges Standbein: Die Holding hielt 56 Prozent der Anteile an CR Energy. Das Unternehmen war auf Investitionen in Firmen spezialisiert, die Energie einsparen, Treibhausgase reduzieren und Ressourcen schonen. Doch im Mai 2025 wurde die Insolvenz angekündigt, ein Antrag im Juni gestellt und das Verfahren zum 1. September eröffnet. Das Verfahren wird vom Amtsgericht Potsdam geführt.
Grund für den Antrag war laut MPH neben der aktuellen Marktentwicklung die fehlende Bereitschaft der Kreditgeber zur weiteren Prolongation der Betriebsmittelkredite. Laut Management kam diese Entwicklung überraschend. Auch kannte man zum Zeitpunkt offenbar keine Details: Die letzten bekannten Unternehmenszahlen beträfen das Geschäftsjahr 2023 sowie das erste Halbjahr 2024, hieß es bei der Präsentation der Halbjahreszahlen.
In der Folge brach natürlich der Aktienkurs von CR Energy ein, von knapp 7 Euro auf nur noch wenige Cent zum 30. Juni. Die Marktkapitalisierung schrumpfte von 160,5 auf 12,7 Millionen Euro. MPH musste nun ebenfalls massiv Firmenwerte aus den Büchern nehmen, was im ersten Halbjahr einen Verlust von 73 Millionen Euro führte. Immerhin: Zum Jahresende konnte der Fehlbetrag laut vorläufigen Zahlen auf 29 Millionen Euro reduziert werden.
In diesem Jahr könnte nun der Verkauf von Haemato Pharm für bessere Zahlen sorgen. MPH-Vorstand Patrick Brenske rückt den Blick auf das letzte verbliebene der ursprünglich drei Geschäftsfelder: „Mit diesem Schritt schärft die M1 Kliniken AG ihr strategisches Profil weiter und untermauert ihre Position als weltweit führender, vertikal integrierter Pure-Play-Anbieter für medizinische Ästhetik.“ Nachdem man in diesem Jahr in diesem Bereich die Umsatzgrenze von 100 Millionen Euro geknackt hat, soll das profitable Wachstum durch den konsequenten Ausbau nationaler und internationaler Fachzentren fortgesetzt werden. Bis 2029 wird ein Jahresumsatz von 200 bis 300 Millionen Euro angepeilt. Von dieser Entwicklung soll auch MPH in den kommenden Jahren systematisch profitieren.