Verbünde wollen fusionieren

Klinikeinkauf: Kartellamt sieht genauer hin

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Berlin -

Im Bereich des Einkaufs für Kliniken geht es gerade hoch her: Agkamed und EKK plus wollen fusionieren, P.E.G. und Clinicpartner haben ihre Verschmelzung dagegen abgesagt. Den größten Zusammenschluss planen Sana und Vivecti. Es geht um Milliardenumsätze. Das Bundeskartellamt schaut jetzt genauer hin.

Vivecti und Sana hatten im September verkündet, eine strategische Partnerschaft einzugehen: Sana soll seinen Einkaufsverbund an Vivecti übertragen und im Gegenzug einen 21-prozentigen Anteil an Vivecti erhalten. Durch den Zusammenschluss soll laut Firmenangaben ein Einkaufsverbund mit einem Umsatz von 7 Milliarden Euro liegen. Vivecti wird künftig rund 700 Mitarbeitende beschäftigen und mehr als 6000 Leistungserbringer als Kunden betreuen. Höhere Einkaufsvolumina sicherten ein niedriges Preisniveau, hieß es zur Begründung.

Genau deswegen hat das Kartellamt jetzt ein Hauptprüfverfahren eingeleitet. Das heißt, dass das Vorhaben intensiver durchleuchtet wird als andere Fusionen.

Vivecti mit Sitz in Berlin und Ulm wurde unter dem Namen Prospitalia als Einkaufsgemeinschaft für Krankenhäuser gegründet. Über die Jahre hat sich das Unternehmen zu einem integrierten Dienstleister für stationäre und ambulante Leistungserbringer im Gesundheitswesen entwickelt; zusammen mit Prospitalia gehören heute zehn Tochterunternehmen zur Gruppe, darunter PCM, Wawibox, h-trak und CoSolvia. Das Besondere: Dank der enormen Datenbasis durch die Vielzahl angeschlossener Häuser bietet die Gruppe nicht nur den Einkauf, sondern ein umfassendes Sortimentsmanagement an.

Über den Sana-Einkaufsverbund beziehen mehr als 1500 Gesundheitseinrichtungen angeschlossene Kliniken und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und der Schweiz aktuell Waren im Wert von rund vier Milliarden Euro zu den mit der Industrie verhandelten Konditionen. Das Angebot umfasst Medizinprodukte, Verbrauchsmaterial, Investitionsgüter sowie die Bereiche Pharma und Labor.

Die Krankenhausvollversorgung (KVV) bleibt bei Sana und versorgt weiterhin mehr als 150 eigene und kooperierende Häuser aus sieben Logistikzentren mit Medizinprodukten – von der Bestellung über die Modulversorgung bis zur Rechnungsabwicklung.

Konsolidierung im Einkauf

Parallel gibt es weitere Fusionen in diesem Bereich: Im Dezember hatten Agkamed und EKK plus ihren geplanten Zusammenschluss verkündet; der Deal soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Das zukünftige Unternehmen würde mehr als 200 Krankenhäuser, fast 80 Krankenhausapotheken, mehr als 50 Altenheime und rund 150 sonstige Einrichtungen versorgen. Zusammen betreuen die Agkamed und EKK plus ein Einkaufsvolumen von fast zwei Milliarden Euro. Der Schwerpunkt liegt auf dem kirchlichen und kommunalen Bereich.

Dagegen haben die beiden genossenschaftlich aufgestellten Einkaufsgemeinschaften P.E.G. und Clinicpartner ihre geplante Fusion gerade abgesagt. Ein Zusammenschluss sei aufgrund unterschiedlicher Philosophien und heterogener Mitgliederstrukturen nicht ausreichend in Einklang zu bringen, hieß es von P.E.G.

P.E.G. blickt als erste Einkaufsgenossenschaft für Kliniken, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen im deutschen Gesundheitsmarkt auf 55 Jahre Erfahrung zurück. Mit mehr als 430 Anteilseignern und rund 2580 Mitgliedern, darunter Einrichtungen aus den Bereichen Krankenhaus, Reha-, Senioren- und Pflegeeinrichtungen, ist die Genossenschaft breit aufgestellt. Zukünftig will man sich in den Bereichen Reha und Fachkliniken systematisch positionieren. Gleichzeitig soll der Senioren- und Pflegebereich ein zentraler Bestandteil des Mitgliederportfolios bleiben.

Clinicpartner ist nach eigenen Angaben die führende Einkaufsgenossenschaft für Krankenhäuser in Deutschland. 1999 gegründet, betreut die Genossenschaft heute mit Sitz in Gelsenkirchen rund 200 Mitgliedskrankenhäuser mit insgesamt 45.000 Betten sowie rund 300 Pflege- und Altenheime.

Eine weitere Einkaufsgemeinschaften ist EK-Unico mit Schwerpunkt auf hochwertige Medizintechnik im Bereich der Universitätskliniken.

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