Lieferengpässe

Boehringer: Politik muss handeln dpa/APOTHEKE ADHOC, 07.11.2019 14:55 Uhr

Berlin - Nach Einschätzung der Deutschlandchefin von Boehringer Ingelheim könnte die Politik den Lieferengpässen bei
Medikamenten entgegentreten. So könne etwa festgelegt werden, dass Krankenkassen ihre Rabattverträge für Arzneimittel nicht nur mit einem, sondern mit mehreren Herstellern schließen müssten, sagte Sabine Nikolaus der Deutschen Presse-Agentur in Ingelheim. Es sei auch denkbar, dass einer dieser Hersteller dann in Europa produzieren
müsse, um eine größere Liefersicherheit zu gewährleisten.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) erklärte: „Liefereinschränkungen bei
versorgungsrelevanten Arzneimitteln sind ein globales Problem, das nicht auf Länderebene gelöst werden kann.“ Die umfassende Produktion namhafter rheinland-pfälzischer Pharmaunternehmen in Ingelheim und Ludwigshafen zeige jedoch, dass eine regionale Arzneimittelherstellung in Deutschland möglich ist. Es mache keinen Sinn, Qualitätssicherung und Produktion von Arzneimitteln nach Asien zu verlagern, wenn diese Prozesse mindestens genauso gut – oder sogar vielfach besser – vor Ort gestaltet werden könnten, sagte die Ministerin. Sie sehe auch die Pharmaunternehmen in der Pflicht, „ihren Aufgaben zur bedarfsgerechten Versorgung umfassend nachzukommen“.

Zuletzt hatte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hierzulande Lieferengpässe bei gängigen Arzneimitteln beklagt. Diese kämen immer häufiger vor, es werde auch immer schwieriger, Ersatzmedikamente für Patienten zu finden. Als einen Grund für die Engpässe macht der Verband den globalisierten Markt aus. Das sieht Nikolaus ähnlich. Ein Großteil der Pharmaproduktion finde beispielsweise in Asien statt, sagte sie. Boehringer selbst produziere vor allem in Europa, größtenteils in Deutschland, und habe daher keine Probleme. „Auf dem deutschen Pharmamarkt insgesamt gibt es aber Lieferengpässe.“ Es sei problematisch, wenn Wirkstoffe nur bei wenigen Produzenten entstünden. Wenn dann einer wegfalle, könne gleich eine ganze Reihe an Pharmaunternehmen ein Medikament nicht mehr herstellen. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit sei der Mangel an dem Wirkstoff Valsartan gewesen.

Nikolaus verwies auch auf die Importförderklausel im Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung. Diese führe indirekt auch zu mehr Parallel-Importen. Dabei erwerben von Herstellern unabhängige Firmen grob gesagt im Ausland Medikamente, die eigentlich für den Markt dort bestimmt sind, und führen sie zum Beispiel nach Deutschland ein. Auch das könne zu Engpässen führen, sagte Nikolaus. „Durch politische Korrekturen könnte die Arzneimittelversorgung der Deutschen verbessert werden.“

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