VfA-Herbstsymposium

Spahn: An Rabattverträgen wird nicht gerüttelt Tobias Lau, 29.11.2019 12:28 Uhr

Berlin - Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die europäische Ratspräsidentschaft Deutschlands im kommenden Jahr auch dazu nutzen, um gesundheitspolitische Wegmarken in der EU zu setzen, beispielsweise bei der europäischen Nutzenbewertung. Beim Herbstsymposium des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VfA) demonstrierte Spahn Harmonie mit der Branche, machte aber auch klar, wo für ihn die Grenzen liegen.

Die Gesellschaft altert und stellt unsere Sozialsysteme damit immer mehr auf die Probe. Erst kürzlich hatte die Bundesbank errechnet, dass Deutschland bis 2070 das Rentenalter auf 69 Jahre und vier Monate anheben müsse, um dem Druck des demographischen Wandels standzuhalten, erklärte VfA-Vorstandschef Han Steutel zur Eröffnung. Doch bleibe in der öffentlichen Debatte oft unerwähnt, dass die steigende Lebenserwartung der Menschen eine Errungenschaft ist, so Steutel. Dasselbe gelte für die zunehmende Erwerbsfähigkeit nach teils schweren Erkrankungen. An beiden Errungenschaften hätten die forschenden Arzneimittelunternehmen einen wesentlichen Anteil, so Steutel, der versuchte, die Debatte über steigende Arzneimittelkosten auch damit abzufedern. „Ich halte Befürchtungen, dass die Kosten für neue Therapien das deutsche Gesundheitssystem finanziell überfordern für nicht begründet“, so Steutel – ein Seitenhieb in Richtung der aktuellen Debatte um die Gentherapie Zolgensma von Novartis.

Dass er ebenfalls große Hoffnungen in die Entwicklung neuer Arzneimittel setzt, machte Spahn gleich zu Beginn deutlich. „2070 bin ich 90 Jahre alt. Da will ich eigentlich noch ein bisschen vor mir haben“, so der 39-Jährige. „Ich würde natürlich gern 108 werden und will, dass es mir bis dahin gut geht. Daran haben auch Sie einen großen Anteil“, schmeichelte er den Branchenvertretern vor ihm. Dazu müsse Deutschland aber seine Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit behalten. Und da sieht es derzeit nicht allzu rosig aus. Zwar ist die Bundesrepublik nach wie vor einer der wichtigsten Forschungsstandpunkte weltweit, zuletzt hat Deutschland aber einiges an Rang eingebüßt. Nicht nur spielte die hiesige Forschung zuletzt bei epochalen wissenschaftlichen Durchbrüchen wie der CAR-T-Therapie keine Rolle. Zuletzt hat auch Großbritannien Deutschland bei Zahl und Umfang klinischer Studien überholt.

Um wieder in die Spur zu kommen, müsse die Gesundheitspolitik deshalb auch auf Innovation setzen – nicht zuletzt bei der Datenauswertung. „Wir haben in Deutschland viele Datenschätze, die wir nur heben müssen. Aber Deutschland verpasst gerade die Chance, diese Daten zum Vorteil seiner Bürger zu nutzen“, so Steutel, der damit bei Spahn offene Türen einrannte. Doch der hatte noch ein anderes Anliegen, das ihm die Pharmaindustrie immer wieder vorhält: Die Preisbildung in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern. „Was es mit mir nicht geben wird, ist ein generelles Infragestellen von Rabattverträgen“, so der Minister. Das Argument, die Industrie brauche hohe Preise, um Forschung und Entwicklung zu refinanzieren, verstehe er zwar prinzipiell – doch wenn er sich die Margen und Gewinnspannen in der Pharmaindustrie anschaue, dann müsse man schon zugeben, dass es da so schlecht nicht aussehe, betonte er leicht süffisant. Das gelte übrigens nicht nur mit Blick auf die heimische Insdustrie.

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