Zolgensma: Allianz gegen Extrem-Hochpreiser

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Berlin - Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fordert gemeinsam mit Vertretern der Krankenkassen und der Unikliniken eine gesetzliche Regelung für die Anwendung teurer Arzneimittel, die in Europa noch nicht zugelassen sind. In einem gemeinsamen Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verlangt das Bündnis die Verpflichtung der Hersteller, „Härtefallprogramme“ aufzusetzen. Dabei sollen die Unternehmen verpflichtet werden, die Kosten selbst zu tragen.

„Die Kostentragung für eine Anwendung nicht zugelassener Arzneimittel liegt im Verantwortungsbereich des Herstellers“, schreiben G-BA, Kassen und Unikliniken in dem Brief, der der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vorliegt. Anlass ist die Debatte um Zolgensma von Novartis: Die Gentherapie gegen Spinale Muskelatrophie war in den USA im Mai als teuerstes Arzneimittel aller Zeiten zugelassen worden. Eine Behandlung kostet 2,1 Millionen US-Dollar (1,9 Millionen Euro). Obwohl Zolgensma in Europa noch nicht zugelassen ist, wurde das Mittel bereits zweimal angewendet – das eröffnet nicht nur Haftungsfragen für die behandelten Ärzte, sondern eine grundlegende ethische Debatte: Wie teuer darf die Rettung von Menschenleben sein?

Denn die Kassen sehen in den überteuren Präparaten eine finanzielle Gefahr: Allein 100 Anwendungen von Zolgensma bedeuten nach bisherigem Preis Kosten von 200 Millionen Euro. Und Zolgensma könnte nur der Türöffner sein, so die Befürchtung. Eine ganze Reihe innovativer Arzneimittel, für die die Hersteller Preise im sechs- oder gar siebenstelligen Bereich aufrufen, könne die finanzielle Situation der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) schwer in Mitleidenschaft ziehen, so das Argument.

Dem stimmt man beim G-BA und in den Unikliniken offensichtlich zu. Zumindest für den in Deutschland seit 2010 erlaubten Compassionate Use – also den Fall, dass die Präparate in Europa noch nicht zugelassen sind, aber mit einer Sondergenehmigung angewendet werden – verlangen die drei Institutionen nun vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) eine gesetzliche Regelung, wonach die Hersteller selbst für die Kosten aufkommen sollen. „Wir nehmen das sehr ernst und suchen nach einer schnellen Lösung im Sinne der Patienten“, zitiert die FAZ einen BMG-Sprecher. Auch der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich fordert, dass Industrie und Kassen „in dem Fall schnell eine Regelung finden“, deren Basis aber das Prinzip bleiben solle, „dass nur die Produkte, die zugelassen sind, auch erstattet werden“. Im selben Atemzug warnt Hennrich aber davor, das jetzige AMNOG-Verfahren anzutasten: „Es wäre schade, wenn solche Vorgänge zu einer neuen Debatte über die Preisfindung neuer Arzneimittel führe würde.“

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