Arzneimittelpreisindex

Studie rechnet Apotheken teuer

, Uhr
Berlin -

Deutschland hat weltweit die zweithöchsten Arzneimittelpreise. Nur in den USA müssen Patienten und Versicherer mehr für Medikamente zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Arzneimittelpreisindex 2019 des Medizindienstleisters Medbelle. Das in London und Berlin ansässige Unternehmen hat dazu 13 Schnelldreher in 50 Ländern verglichen. Ergebnis: In Deutschland sind die Arzneimittelpreise doppelt so hoch wie der Median aller untersuchten Länder. Allerdings haben sich die Autoren nicht die Mühe gemacht, die tatsächlichen Ausgaben zu analysieren, sondern lediglich Listenpreise verglichen. Und auch dabei liegen sie noch falsch.

Hersteller klagen immer wieder über die niedrigen Preise, die sie in Deutschland aufgrund der staatlichen Regulierung abrufen können. Die Ergebnisse von Medbelle widersprechen diesen Klagen nun: Demzufolge lässt sich als Hersteller nur in den USA mehr Geld mit Medikamenten verdienen. Und zwar bedeutend mehr: Liegen die durchschnittlichen Preise von Original und Generika der untersuchten Arzneimittel hierzulande um 126 Prozent über deren Medianpreis, sind es in den USA 307 Prozent.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) liegen mit 122 Prozent über dem Median nur knapp hinter Deutschland. Auf Platz 4 folgt Italien, das 90 Prozent über dem Median liegt. Dahinter rangieren Dänemark, Katar, Spanien, die Niederlande, Israel und Island. Was aus deutscher Perspektive auffällt: Frankreich, Nachbarland und sozioökonomisch auf Augenhöhe, liegt mit Platz 32 weit hinter Deutschland. Die Arzneimittelpreise liegen dort im Schnitt gar 15 Prozent unter dem Median. Auch die Schweiz, eigentlich ebenfalls für hohe Arzneimittelpreise verrufen, liegt mit Platz 20 weit hinter Deutschland.

Das Problem könnte hausgemacht sein. Denn Medbelle hat nur die Listenpreise verglichen, Einsparungen aus den Rabattverträgen wurden nicht berücksichtigt. Außerdem wurden die Preise als Durchschnitt berechnet, in den das Original auf der einen und sämtliche Generika auf der anderen Seite eingerechnet wurden. Abgesehen davon, dass hierzulande im GKV-Bereich das Original faktisch gar nicht zum Einsatz kommt, spielt aus demselben Grund dessen Preis am Markt überhaupt keine Rolle.

Die Preise wurden auf Grundlage umgerechneter Euro-Preise berechnet, Packungsgrößen wurden stets auf die gleiche Dosismenge heruntergerechnet. Einen weiteren Faktor lässt Medbelle allerdings unberücksichtigt: Pharmaunternehmen gestalten ihre Preise in den allermeisten Fällen entlang der Kaufkraft von Märkten. Die Logik dahinter ist, dass die Kostenträger in Ländern mit starken Volkswirtschaften in der Regel weit mehr zu erstatten fähig sind als in wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern. Auch wie diese Kostenerstattungen in den jeweiligen Ländern geregelt sind, spielte keine Rolle.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Erstmals mehr als 300 Milliarden Euro
Ausgabenrekord: Kassen schlagen Alarm
Mehr aus Ressort

APOTHEKE ADHOC Debatte