Cannabis-Legalisierung: Die Win-Win-Win-Win-Situation für Apotheken

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Unter welchen Bedingungen könnte Cannabis legalisiert werden? Das wird in einer neuen Episode des Podcasts NUR MAL SO ZUM WISSEN diskutiert.
Berlin -

Cannabis wird bald eine legale Freizeitdroge, davon gehen die meisten aus. Und die Apotheken stehen dann wohl wieder an vorderster Front. Die Mehrheit in der Offizin ist für eine Legalisierung – aber würde sie auch Gras für den Freizeitgebrauch verkaufen? Als Arzneimittelexperten sehen sich viele dafür nicht zuständig. Doch die Chancen sind groß und die Verantwortung wäre in der Apotheke gut aufgehoben, finden ADHOC-Herausgeber Thomas Bellartz und Redakteur Tobias Lau in einer neuen Podcastsepisode von NUR MAL SO ZUM WISSEN.

Die Ampel kommt – zumindest sieht gerade alles danach aus. Was die Apotheken dann gesundheitspolitisch erwartet, ist noch nicht ausgemacht. Außer bei einem Thema: SPD, Grüne und FDP sind allesamt für eine Legalisierung von Cannabis, auch wenn sich ihre Vorstellungen einer Abgabe an Volljährige unterscheiden. Die SPD würde das gern erst einmal in Modellprojekten erproben, die Grünen hätten es gern etwas liberaler und mittendrin steht die FDP. Cannabis soll künftig in Apotheken verkauft werden, Gesundheits- und Suchtberatung inklusive, gab Parteichef Lindner am Sonntag einen Kompromissweg vor.

„Man merkt an diesem breiten Bündnis in den Koalitionsgesprächen: Die wollen das gar nicht mehr zur Debatte stellen. Es geht nicht mehr um das Ob, sondern es geht um das Wie“, konstatiert Bellartz. Und da gibt es viele Variablen: Verkaufsorte, Registrierung, Höchstabgabemengen, Beratung und so weiter und so fort. Das momentan realistischste Szenario: Cannabis wird in Apotheken verkauft. Höchste Zeit also für die Apotheken der Republik, sich zu fragen: Würden wir Cannabis verkaufen? Dabei sei vorab gesagt: Klischees haben ausgedient. Cannabis ist keine Sache verwahrloster Junkies oder verpeilter Dauerkiffer, sondern längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Große Sorge, das falsche Publikum anzuziehen, sind also unberechtigt.

Darüber hinaus kann sich daraus auch ein Auftrag für die Apotheken ergeben, nämlich Cannabis als Thema der öffentlichen Gesundheit. „Die Apotheken als Anlaufstelle zu nehmen, ist aus gesundheitspolitischer Perspektive meiner Meinung nach ein guter Kompromiss“, findet Lau. Dass das neue Geschäftsfeld an ihnen vorbeiziehen würde, müssen Apotheken übrigens ebenfalls kaum fürchten: Die Parteien sind sich einig, dass es ein Lieferverbot für Cannabis geben soll – ob das auch den Botendienst umfassen würde, ist längst nicht entschieden. Auch so bleiben aber viele Fragen für die Apotheken offen: Was wäre beispielsweise mit dem Preis? Der müsste aus politischer Sicht hoch genug sein, um den Konsum nicht ausufern zu lassen, gleichzeitig aber niedrig genug, um den Schwarzmarkt auszutrocknen. Wie streng würde er reguliert, welche Spielräume würden bleiben und wie lukrativ wäre das Geschäft für die Apotheken?

Der Podcast NUR MAL ZUM WISSEN erscheint immer donnerstags überall, wo es Podcasts gibt sowie als Video-Podcast bei Youtube. Jetzt reinhören!

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