„DocMorris ist nicht innovativ“

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DocMorris & Co: Gib dem Parasiten kein Futter

Berlin - DocMorris steckt in einer Identitätskrise. Einst das Schreckgespenst der Branche, ist der Bannerträger der Hollandversender heute in einer viel schwächeren Position als viele in der Branche denken. Wie sollte man also mit den Avancen umgehen, die DocMorris den Apotheken mit seinem Marktplatz macht? Und warum inszeniert sich DocMorris überhaupt gerade als Freund der Vor-Ort-Apotheken? Darüber diskutieren APOTHEKE ADHOC-Herausgeber Thomas Bellartz und Chefredakteur Alexander Müller in der neuen Episode ihres Podcasts NUR MAL SO ZUM WISSEN.

Das E-Rezept ist die historische Chance der Versandapotheken, sich endlich in der Rx-Versorgung breit zu machen. Aber ist das wirklich so? Den Investoren erzählt es DocMorris so, gegenüber der Bevölkerung bewirbt man das E-Rezept schon lange, bevor es in der Versorgungswirklichkeit angekommen ist – und nun verkündet der Versender auch noch das Ende seine alleinstehenden Webshops und umgarnt die Vor-Ort-Apotheken für seine Plattform. „Ich hatte den Eindruck, dass bei denen langsam die Erkenntnis gereift ist, dass die Menschen die Apotheken überhaupt nicht doof finden und sie selbst mehr wie die Apotheken sein müssten – Stichwort Marketplace“, sagt Müller.

Die Frage ist nur: Warum? Weil DocMorris bei weitem nicht der beherrschende Player ist, der er zu sein vorgibt. Vielmehr scheint in Heerlen die Erkenntnis gewachsen, dass das E-Rezept eben doch kein Selbstläufer für die Versender ist. „Ich glaube tatsächlich, das E-Rezept könnte andeuten, wo Versandapotheken unterliegen könnten“, sagt Bellartz.

„Meiner Meinung nach zeigt gerade diese Kampagne und das Bestreben von DocMorris, wie schwach die sind. Die haben eben keine Logistik, die haben keine über 100 Lieferzentren wie der pharmazeutische Großhandel, die haben keine 19.000 Apotheken in Deutschland und damit keine Positionen, die wirklich jeden Tag, sechs Tage die Woche, liefern und dann auch noch Nacht- und Notdienst machen.“

Er sieht die Charme-Offensive als Mogelpackung: DocMorris ist sich seiner Defizite bewusst und bläst sich deshalb auf, um sich als unverzichtbar für die Vor-Ort-Apotheken zu präsentieren – und nach deren Teilnahme am Marktplatz ihr Netzwerk und ihre Dienstleistungen für sich zu nutzen. Wie soll man also als Apotheke damit umgehen? Sind die Vor-Ort-Apotheken ohnehin in der besseren Ausgangsposition, liegt der Gedanke natürlich nahe, die Situation im eigenen Interesse zu nutzen.

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