Apotheker und Ärzte: Minderwertigkeitskomplexe und Lobby-Vergleiche

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Toxische Beziehung im weißen Kittel

Berlin - Der berüchtigte Minderwertigkeitskomplex von Apotheker:innen gegenüber den Ärzt:innen – ist er eine moderne Legende oder ist da was dran? Zumindest in der Politik scheint er sich widerzuspiegeln. Warum, darüber reden APOTHEKE ADHOC-Herausgeber Thomas Bellartz und Chefredakteur Alexander Müller in der neuen Episode ihres Podcasts NUR MAL SO ZUM WISSEN.

Die Ärzt:innen klagen seit Jahren und Jahrzehnten über Überforderung – gleichzeitig schießen sie gegen Versuch, sie zu entlasten. Der Streit über Grippeimpfungen in den Apotheken zeigt das erneut. „Ich halte das für Humbug“, sagt Bellartz. „Es wird immer das Kompetenzargument vorgetragen, aber im Grunde geht es um die Kohle“, findet auch Müller. Doch so einfach ist es auch wieder nicht, denn die Ärzt:innen sind bekannt dafür, eine bessere Lobby in der Politik zu haben – aus Apothekensicht. Aus Ärztesicht ist es genau andersherum.

So nah sich die beiden Berufe sind, so schwierig ist ihr Verhältnis zueinander. Die Wahrnehmung der Berufe in der Öffentlichkeit trägt ihren Teil dazu bei. „Ich habe in der Apotheke immer das Gefühl, dass die mehr Zeit für mich haben. Ich glaube, das ist auch ein Problem, das die Apotheken haben, dass es in der politischen Wahrnehmung insgesamt auch so ist“, erzählt Müller. „Deswegen werden dann auch viele Aufgaben auch vonseiten der Ärzteschaft in die Apotheke abgeschoben, weil gedacht wird, die haben ja Zeit dafür, die können das machen.“ Das sei genau der Pfad, auf dem die Branche sich befindet: Er glaube, dass schon aufgrund des Drucks der Kassen künftig mehr Kompetenzen von den Ärzt:innen auf die Apotheker:innen übertragen werden – vor allem mit dem Hintergedanken, dass es in der Apotheke günstiger geht.

Doch genau das wollen die Ärzt:innen oftmals verhindern – während sie gleichzeitig klagen, mit ihren bisherigen Aufgaben nicht hinterherzukommen. „Wie sieht denn die Versorgungswirklichkeit aus? Ärztinnen und Ärzte sagen doch permanent, dass sie überfordert sind. Jetzt unterstelle ich mal: Das ist so und sie machen das nicht, um noch mehr Kohle zu kriegen“, erklärt Bellartz. „Dann muss doch aber eine Frage gestellt werden: Sind denn nicht genau die Apothekerinnen und Apotheker diejenigen, die einen Teil der Leistungen, die in der Arztpraxis für diese Überforderung sorgen, weil sie so massenhaft erbracht werden müssen, übernehmen können? Warum zur Hölle findet das nicht in der Apotheke statt?“

Dabei spiegele sich auch das Verhältnis der beiden Gruppen zueinander. Und zwar nicht zum Vorteil der Apotheker:innen: „Man hat immer das Gefühl, der Arzt verordnet und der Apotheker hängt hinten dran“, sagt Müller. „Das ist ja auch in politischen Diskussion immer so: Da wo sich eine Praxis lohnt, gibt es auch immer noch eine Apotheke, also müssen wir uns um die Praxen kümmern.“ Die Kunst sei, sich genau davon nicht in seiner Arbeit als Heilberufler kompromittieren zu lassen. „Ich glaube, das wird immer wieder knarzen und knallen, aber im Lokalen darauf ankommen, dass man gut zusammenarbeitet und sich nicht hochstacheln lässt von den Lobbygruppen“, sagt Müller. Aber Hand aufs Herz: Wer ist eigentlich unentbehrlicher, Apotheker oder Arzt? Wen von beiden er mit auf eine einsame Insel nehmen würde, wenn er sich entscheiden müsste, erklärt er im Podcast.


Der Podcast NUR MAL ZUM WISSEN erscheint immer donnerstags überall, wo es Podcasts gibt sowie als Video-Podcast bei Youtube mit ergänzendem Bildmaterial. Jetzt reinhören!

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