Eine Folge voller Fehler

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Eine Folge voller Fehler – NUR MAL SO ZUM WISSEN

Berlin - Worüber wird ziemlich ungern, wahrscheinlich zu selten und oft auch falsch gesprochen? Über Fehler. Warum sie passieren und wie jede:r selbst und das Team damit umgeht. Deshalb haben sich ADHOC-Herausgeber Thomas Bellartz und Chefredakteur Alexander Müller in der neuen Folge ihres Podcasts NUR MAL SO ZUM WISSEN einmal eingehend mit der Fehlerkultur befasst – in Apotheken und anderswo.

Fehler gehören zum Alltag – kleine und große. Manchmal können auch kleine Fehler große Auswirkungen haben, wie der Fall Annalena Baerbock zeigt. Ungenauigkeiten in der Biografie haben einen gefühlt unverhältnismäßig großen Einfluss auf die politische Karriere. Auch über das Grinsen von Armin Laschet im Hochwassergebiet wurde kurzzeitig mehr diskutiert als über die Flutkatastrophe.

Ein Fehler als Abweichung von der Norm ist laut Müller nicht per se etwas Schlechtes. Apotheker:innen als Naturwissenschaftler wissen, dass die Evolution ohne „Fehler“ nicht möglich wäre. Und auch in ihrer eigenen Wissenschaft beruhte die Entdeckung des Penicillins auf einem sehr berühmten Fehler.

Trotzdem sollten in einem Apothekenteam Fehler so gut wie möglich vermieden werden. Immerhin geht es hier um die Gesundheit von Menschen, zuweilen um Leben und Tod. Bellartz erinnert an den tragischen Fall in einer Kölner-Apotheke, wobei Lidocain statt Glukose abgegeben wurde und eine Mutter und ihr ungeborenes Kind starben. Das Verfahren läuft noch. Gerade solche folgenschweren Fehler würden dazu führen, dass man sich alle Strukturen anschaut, die Abläufe, das interne Kontrollsystem. Das führt Bellartz zu der Frage: Dürfen wir uns in der Apotheke eine Fehlertoleranz überhaupt leisten?

„Ich glaube, man kann die Frage gar nicht stellen, ob wir uns das leisten können“, entgegnet Müller. Denn wo immer Menschen am Werk seien, würden Fehler gemacht. Und auch Computer – da von Menschen gemacht – seien nicht fehlerfrei. „Wir können die Fehlerhäufigkeit nur auf ein Minimum reduzieren und das ist die Verpflichtung von allen. Und je höher das zu schützende Gut, desto intensiver muss das betrieben werden. Ich glaube, das wird im Gesundheitswesen sehr gut gemacht.“

Eine Frage der guten Fehlerkultur ist es Müller zufolge dann, dass sich die Mitarbeiter:innen – genauso wie die Chefs und Chefinnen – trauen, Fehler zuzugeben. „Dann kann man daraus lernen. Kreativ auf Fehler zu schauen, das ist ganz wichtig und sich zu fragen: Warum ist das jetzt eigentlich passiert? Welche Fehler haben wir im Vorfeld gemacht, die zu diesem Fehler geführt haben?“

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