Cannabis aus der Apotheke

„Wegfallende Umsätze reduzieren Arbeitsplätze“

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Berlin -

Im Markt für medizinisches Cannabis sind mehrere Einschnitte geplant. Die Regierung will die Online-Verschreibung und den Online-Versand verbieten. Zudem sollen Blüten nicht mehr von gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Der Wegfall aus der Regelversorgung bedeute für Apotheken wegfallende Umsätze, die sich direkt auf Arbeitsplätze auswirkten, appelliert Inhaber Martin Sedlmeier in einem Schreiben an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und an das bayerische Landtagsmitglied Bernhard Seidenath (CSU).

Die Regierung spiele mit dem Patientenwohl „in einer nie dagewesenen Weise“, kritisiert Sedlmeier. Wenn Blüten aus der Erstattung genommen würden, müssten faire Rahmenbedingungen geschaffen werden. „Ich versuche wenigstens noch meine Mitarbeiter zu schützen“, so der Inhaber der St. Martins Apotheke in Ampfing. „Apotheken stehen unter wirtschaftlichem Druck durch uneinheitliche Preisgestaltung und Wettbewerbsverzerrungen.“

Cannabis-Importe verringern

Denn es habe sich ein wachsender Importmarkt und ein Privatmarkt entwickelt. Die übermäßigen Importe müssten verringert werden, fordert der Apotheker. Eine Auswirkung des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) war laut einem Forschungsprojekt, dass in Deutschland „der größte prinzipiell legal-kommerzielle Markt“ für medizinisches Cannabis in Europa geschaffen wurde. 2025 seien 200 Tonnen medizinisches Cannabis legal-kommerziell eingeführt worden.

Für Apotheken sei ein zentrales Problem, dass die Anwendung der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) uneinheitlich ist. Daraus ergäben sich bei Medizinalcannabis nicht nur intransparente Preise für Patientinnen und Patienten, sondern auch ein Wettbewerbsnachteil für Apotheken. Sedlmeier fordert eine verbindliche und einheitliche Anwendung der AMPreisV auf medizinisches Cannabis – unabhängig vom Erstattungsstatus.

Planungssicherheit für Apotheken

Dadurch wären angemessene Margen gesichert und Umsatzverluste vermieden. Die Apotheken hätten Planungssicherheit. Zudem würden inländische Lieferketten unterstützt werden. Der Privatmarkt würde gleichzeitig eingedämmt werden, heißt es in dem Schreiben an die Ministerin. Die Nachverfolgbarkeit und die Sicherheit für Patientinnen und Patienten werde verbessert.

„Eine konsequente Anwendung der AMPreisV ist ein entscheidender Hebel, um Marktstabilität, Versorgungssicherheit und regulatorische Kontrolle auch bei veränderten Rahmenbedingungen im Bereich medizinisches Cannabis zu gewährleisten“, sagt er. „Evidenz hin oder her. Ebenso können durch die Folgeschäden anderer Medikamente weit größere Kosten für die GKV aufkommen, als es durch eine alleinige Cannabistherapie bisher der Fall ist, auch wenn die Monatstherapiekosten etwas größer sind.“

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