Schock zum Jahresstart für Inhaberin Verena Wünsch: Mitte Januar brachen Unbekannte in ihre Park-Apotheke in Stuttgart ein. Nicht der Einbruch an sich treibt hier die Schadensumme hoch, sondern, dass Ware im beachtlichen Wert entwendet wurde: Mehrere Kilogramm medizinisches Cannabis wurden gestohlen. Auch für das Personal war der Einbruch am Arbeitsplatz ein einschneidendes Erlebnis, weshalb die Chefin auch erst Wochen später über die Tat sprechen möchte. Für sie ergibt sich im Nachgang ein klarer Handlungsauftrag.
In der Nacht zum 13. Januar stiegen Unbekannte in die Park-Apotheke ein, laut Polizeimeldung irgendwann zwischen 18.30 Uhr und 7 Uhr. Zunächst brachen sie die Eingangstür zum Gebäude, ein Ärztehaus, und dann die Tür zur Apotheke auf. Die Täter durchsuchten die Räume und flüchteten anschließend unerkannt mit ihrer Beute: tütenweise Cannabis und 1500 Euro Bargeld.
„Wir wissen eigentlich gar nichts“, sagt Wünsch zum Einbruch. „Es muss nach Ladenschluss passiert sein. Jemand ist auch gesehen worden zwischen 4 und 5 Uhr, aber ob das wirklich der Täter war…“ Zunächst wurde die historische Klapptür zum Ärztehaus aufgebrochen, dahinter hat es dann auch eine Glastür erwischt. Diese führte in die Apotheke. „Die haben unsere Schleuse aufgebrochen. Im Büro wurde alles, was verschlossen war, aufgebrochen, auch die Personalakten. Das hat dem Personal Angst gemacht“, berichtet die Inhaberin.
Die Vermutung: Der oder die Täter wussten, womit die Apotheke unter anderem Geschäfte macht. Das Cannabis lässt sich wiederum auf dem Schwarzmarkt gut weiterverkaufen; extra geschützt werden muss bei der Lagerung in der Apotheke nicht mehr, seit Medizinalcannabis nicht mehr dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterliegt. Der Diebstahl lief pragmatisch: „Die haben unsere Linda-Beutel genutzt und das damit rausgeschleppt.“ Andere „spannende“ Dinge wurden hingegen liegen gelassen.
Für die Inhaberin der cannabisversorgenden Apotheke entstand durch den Einbruch ein klarer Auftrag; die Installation einer Alarmanlage steht für Wünsch nun ganz oben auf der To-do-Liste. „Wir waren nicht gut geschützt“, weiß sie. Klar, sei sie sich des Risikos bewusst gewesen, durch einen schweren Krankheitsfall in der Familie lagerte der Fokus gerade aber nicht auf der Sicherung der Apotheke.
Nun freue sie sich über die Unterstützung ihrer Ansprechpartner beim Spezialversicherer PharmAssec. Hier half man ihr auch direkt nach dem Schaden: „Es wurde eine saubere Inventur gemacht, an dem Tag war die Apotheke zu. PharmAssec hat den Ausfall und den wirtschaftlichen Schaden übernommen.“ Auch vor Ort habe sie große Unterstützung erfahren. Sowohl um das beschädigte Inventar als auch um die Türen hat sich sofort jemand gekümmert. „Direkt am Abend waren wieder gesichert“, berichtet Wünsch.
Mit ihrem Versicherer kümmere sie sich nun um die bessere Sicherung der Apotheke. Auch auf die Initiative der Polizei, „K-Einbruch“, sei sie durch den Vorfall aufmerksam geworden und holte sich auch hier eine fachmännische Meinung zur Einbruchsicherung. Auch das Rauschgiftdezernat schaute bei ihr vorbei, weil so viel Cannabis gestohlen wurde.
Bei der künftig besseren Sicherung der Apotheke hat sie jedoch eine Hürde: „Wir haben hier eine historische Tür, die der Vermieter behalten will. Wie wir das machen, wird auch noch mal Thema werden. Die Tür am Ärztehaus ist auch nicht so einfach nachzurüsten. Da müssen wir bestimmt noch mal ordentlich draufpacken.“ Und auch sonst habe sie sich nun ernsthaft mit den Vorgaben für Einbruchmeldeanlagen auseinandergesetzt.
„Die Emotionen der Mitarbeiter nach so einem Einbruch – das ist das Hauptproblem“, so Wünsch. „Ich merke einfach, dass sie das bewegt. Da mache ich mir einen Vorwurf.“
Wünsch wird das Thema nun mit deutlich mehr Nachdruck verfolgen. Zudem habe sie den Eindruck, dass die Einbrecher derzeit gezielt vorgehen: „Zwei Tage zuvor wurde in Waiblingen eingebrochen“, berichtet sie. Im nahegelegenen Pforzheim wurde wenige Wochen später ebenfalls neben Bargeld und Arzneimitteln auch Cannabis entwendet. Mitte Februar wurden in Frankfurt am Main sieben Kilogramm aus einer Apotheke getragen. Die gefüllten Müllsäcke konnten in diesem Fall jedoch noch in Tatortnähe gefunden werden.