Ungewisse Zukunft für zwei Landapotheken: In Sachsen-Anhalt stehen in der Gemeinde Muldestausee die Glückauf-Apotheke Muldenstein und die Avie-Apotheke Gossa seit Mai plötzlich und unerwartet ohne Inhaber da. Zumindest für eine der beiden Apotheken scheint es eine Lösung zu geben – ob alles klappt, ist aber längst nicht in trockenen Tüchern, berichtet die womöglich baldige Neu-Inhaberin.
Ende April verstarb der bisherige Inhaber der beiden Apotheken, Hans-Rüdiger Elster, plötzlich und unerwartet im Alter von 55 Jahren. Für diesen schlimmsten aller Fälle war nicht vorgesorgt – somit wurden die beiden Apotheken, nun da kein Approbierter überbrücken konnte, erst einmal geschlossen.
Der Bürgermeister der Gemeinde Muldestausee, Ferid Giebler, informierte hierüber: Beide Apotheken seien aufgrund des Todesfalls vorerst geschlossen. „Unser herzliches Beileid gilt den Angehörigen“, schrieb er unter anderem auf Facebook Anfang Mai. „Wir bemühen uns um eine zeitnahe Folgeversorgung, bitten aber in Anbetracht der Umstände um Verständnis, dass keine Sofortlösung möglich ist.“ Kund:innen der Apotheken wurden zunächst an umliegende Apotheken verwiesen.
Inzwischen konnte der Bürgermeister Positives verkünden: „Für Muldenstein haben wir schon eine Lösung, Gossa dauert noch“, so Giebler. Demnach übernimmt Stefanie Halliger von der Bernstein Apotheke im benachbarten Friedersdorf künftig die Glückauf-Apotheke. Deren Zukunft sei damit gesichert, freut sich der Bürgermeister.
„Die Übernahme ist bereits vertraglich geregelt. Ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest, da nun noch einiges vorzubereiten ist“, so Giebler weiter. „Für Gossa arbeiten wir noch an einer Lösung.“ Er danke allen Beteiligten, die diese schnelle Folgelösung ermöglicht hätten, und Halliger, dass sie nun noch mehr Verantwortung für die Versorgung der Bürger:innen in der Gemeinde mit 13 Ortsteilen und mehr als 11.000 Einwohner:innen übernehme – ihre Apotheke ist die einzig verbliebene nach dem Wegfall von Elsters beiden Apotheken.
Doch ganz so sicher ist die Zukunft der Muldensteiner Apotheke dann doch noch nicht. Und noch ist die Apotheke geschlossen. „Wir stehen hier noch vor dem Nichts“, so Inhaberin Halliger. Denn die Apotheke könne nicht einfach so wiedereröffnet werden. „Theoretisch ist das hier eine Neugründung.“
Erst einmal sei sie auch nur Mieterin des Gebäudes: „Ich muss schauen, ob ich das übernehmen kann. Ich brauche auch das Personal.“ Halliger habe bereits in ihrer Bernstein Apotheke zu wenig davon. „Wenn ich kein Personal finde, kann ich nicht öffnen. Ich kann ja hier nicht weg“, sagt sie über ihre Hauptapotheke, die bereits unterbesetzt ist. Nun müsse eine Apothekerin oder ein Apotheker her.
Ob am Ende alles klappt, wisse sie noch nicht. „Wir sind auf jeden Fall willig“, sagt Halliger – die mit ihrer kleinen Landapotheke kaum den Kundenstamm der Muldensteiner Apotheke auffangen kann. „Ich habe plötzlich die doppelte Anzahl an Kunden. Ich habe zwei HV-Plätze – wie soll ich das machen?“ An Sitzen sei aktuell im Alltag nicht zu denken.
Da es mit der Übernahme der Muldensteiner Apotheke bereits schwierig werde, stehe die Übernahme im Ortsteil Gossa für sie gar nicht zur Diskussion. Zwei wichtige Gründe sprechen für sie dagegen, auch hier in die Bresche zu springen: Während die Ortsteile Muldenstein und Friedersdorf direkt nebeneinanderliegen, müsste sie nach Gossa einmal um den Muldestausee herum. „Das ist viel zu weit abseits“, das Einzugsgebiet sei hier ein anderes. Außerdem sagt sie klar: „Ich nehme keine Apotheke, wo kein Arzt ist“ – und die sitzen nun mal auf „ihrer“ Seite des Sees.