In der Falken-Apotheke in Hannover, wurde in der vergangenen Woche ein Rezept über ein hochdosiertes Antiepileptikum vorgelegt. Erst im Nachhinein konnte dieses als Fälschung enttarnt werden.
Am Freitag wurde das Medikament Pregabalin vorbestellt. Dies erfolgte telefonisch am Vormittag. „Am späten Nachmittag wurde das Arzneimittel abgeholt“, berichtet eine Angestellte. „Leider sind uns die Fälschungsmerkmale zu spät aufgefallen“, erklärt sie und möchte andere Apotheken warnen.
„Da das Rezept über die 100er Packung mit einer 50er Packung beliefert wurde, könnte es erneut in einer anderen Apotheke auftauchen“, so die Mitarbeiterin. Die Fälschung wurde aufgedeckt, weil sie in der Arztpraxis anrief. „Ein Anruf beim Arzt, den ich am heutigen Montag getätigt habe, hat ergeben, dass die Praxis vom 26. Juli bis 24. August im Urlaub ist“, schildert sie. „Das Ausstellungsdatum ist jedoch auf den 5. August datiert, es kann daher nur eine Fälschung sein.“
Den Verdächtigen beschreibt sie als einen unauffälligen jungen Mann. „Er trat sehr freundlich auf“, so die Angestellte. Bei der Abholung habe es eine Ungereimtheit gegeben: „Ich sagte ihm, dass telefonisch eine 50er Packung bestellt wurde, auf dem Rezept aber eine 100er Packung verordnet ist“, erklärt sie. „Ich fragte ihn, ob ich die große Packung bestellen soll.“ Der Mann habe daraufhin jedoch verneint.
„Ich gab also die 50er Packung ab und machte einen handschriftlichen Vermerk auf das Rezept“, so die Mitarbeiterin. Ebenso erklärte sie ihm, dass er auf das Rezept nochmal eine 50er Packung erhalten könne. „Auf Nachfrage, ob die Dosierung bekannt sei, gab der Täter an, die Tabletten seien für den Vater und er komme damit zurecht“, so die Angestellte.
Damit andere Apotheken sensibilisiert werden, fasst sie die Fälschungsmerkmale zusammen. „Es wurde mit 300mg die höchste Dosis von Pregabalin verordnet. Zudem sollte eine 100er Packung als größtmögliche Packungsgröße abgegeben werden.“ Auffällig sei auch der Einlösezeitpunkt am Freitagnachmittag gewesen, denn viele Praxen hätten dann schon geschlossen, so dass eine Nachfrage erschwert sei.
„Das Druckbild der Versichertendaten, beispielsweise der Vor- und Nachname stehen in einer Zeile und das Geburtsdatum steht neben der Adresse“, erläutert sie die Merkmale der Fälschung. Und warnt: „Pregabalin hat ein hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial.“ Es wird oft in Kombination mit Alkohol, Opioiden oder Benzodiazepinen konsumiert.“
Dabei ist die Kombination mit Alkohol besonders gefährlich. Denn beide Substanzen dämpfen das zentrale Nervensystem. Zusammen verstärken sie ihre Wirkung massiv. Das führt zu starker Benommenheit, Koordinationsstörungen, erhöhtem Unfallrisiko und im schlimmsten Fall zu lebensgefährlicher Atemschwäche oder Koma. In hohen Dosen wirkt Pregabalin angstlösend und euphorisierend und birgt dadurch ein starkes Abhängigkeitsrisiko.
„Ich habe bereits online bei der Polizei eine Anzeige gemacht und die umliegenden Apotheken in Hannover per Rundmail gewarnt“, so die Angestellte.
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