Apotheken stehen unter Druck – das ist auch beim Apothekenverkauf zu spüren. „Die Rahmenbedingungen für den Apothekenverkauf haben sich geändert“, so die Treuhand Hannover. Das aktuelle Käuferverhalten sei von einer geringeren Risikobereitschaft geprägt.
Der Strukturwandel im deutschen Apothekenmarkt setzt sich laut Treuhand fort. Die regionalen Unterschiede etwa ließen sich in drei Bereiche unterteilen: Es gebe isolierte Apothekenlagen in Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen oder Bayern. Dazu komme ein strukturell hoher Patientendruck in Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg oder Bremen. Gleichzeitig werde ein Gefälle der Apothekendichte wie im Ost-West-Vergleich oder im Saarland festgestellt.
In der Vergangenheit habe beim Apothekenkauf und -verkauf die Planungssicherheit einen immer höheren Stellenwert eingenommen. „Entwürfe gesundheitspolitischer Maßnahmen werden kritisch beobachtet und führen zu einer höheren Unsicherheit und abwartenden Haltung.“
Dabei stelle der Verkauf von Apothekenverbünden grundsätzlich kein Hindernis dar, wobei der Trend zur OHG-Gestaltung bei großen Einheiten anhält. „Das bietet Käufern und Verkäufern die Chance, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen und durch optimierte Übergaberegelungen größere Einheiten mit höherem Gewinnpotenzial zu realisieren.“ Kaufpreise im siebenstelligen Bereich könnten aufgrund der veränderten Risikobewertung der finanzierenden Banken jedoch eine Hürde darstellen.
Auf Verkäuferseite gebe es einen hohen Beratungsbedarf, besonders in den Bereichen Personal, Digitalisierung und Strategie, um den Verkaufsprozess erfolgreich zu gestalten. Entscheidend sei die Einbindung von Experten sowie die sorgfältige Abstimmung der einzelnen Schritte, um eine logische Abfolge zu gewährleisten und voreilige Entscheidungen zu vermeiden.
Beim Apothekenverkauf spielen demnach bestimmte betriebswirtschaftliche, rechtliche und strategische Kernkompetenzen eine entscheidende Rolle. Vor diesem Hintergrund sei es wichtiger denn je, die veränderten Anforderungen beim Apothekenverkauf zu berücksichtigen. Dazu gehöre eine individuelle Kompensationsstrategie, um unmittelbare positive Effekte auf Personalkosten sowie -verfügbarkeit, Rohertrag und Gewinn sowie auf Kundenzahl und Umsatz zu erreichen. Zudem sollte eine „unmittelbare Kostenentlastung“ angestrebt werden.
Die Ziele eines angestrebten Verkaufs sollten frühzeitig geplant werden, rät die Steuerberaterkanzlei. Dazu zählten eine Marktanalyse, Wertermittlung sowie Käufersuche und Vertragsgestaltung. Generell werde künftig nicht mehr jeder Apothekenbetrieb einen Nachfolger finden. „Es wird immer wieder Apotheken geben, die sich nur schwer verkaufen lassen.“
Aber stimmen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Zukunftsperspektiven, würden Apothekenbetriebe auch künftig auf Interesse potenzieller Nachfolger stoßen. „Die Apothekenreform 2026 hat die wirtschaftlichen Grundlagen verbessert. Apotheken, die diese Chancen nutzen und ihre neuen Kompetenzen aktiv vermarkten, sind für Käufer besonders attraktiv.“