Zum Jahreswechsel hat Dr. Lilli Amelung die Kamp-Apotheke in Bad Doberan aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Die Molli- sowie die Buchenberg-Apotheke in Bad Doberan hat die junge Apothekerin weiterbetrieben, genauso wie die Haff-Apotheke in Rerik. Zum 1. Juli dieses Jahres hat Amelung nun die „vier wieder voll gemacht“.
Mit gerade einmal 31 Jahren betreibt Amelung nun wieder vier Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern. Zu Monatsbeginn hat sie die Linden-Apotheke von Apothekerin Sabine Plümer in Neubukow übernommen. Sie sei im Rahmen der Schließung der Kamp-Apotheke mit Plümer in Kontakt gekommen, erzählt sie.
Das Team der Linden-Apotheke hat sie komplett übernehmen können, und auch mit der Vorbesitzerin pflegt sie weiterhin einen freundschaftlichen Austausch. Insgesamt ist die junge Apothekerin nun Chefin von 43 Mitarbeiter:innen.
Grundsätzlich blickt Amelung optimistisch in die Zukunft. Sinnvoll findet die Inhaberin zum Beispiel die möglichen Flexibilisierungen im Rahmen der Apothekenreform. „Der einzige Weg ist, uns breiter aufzustellen“, erklärt sie. „Insofern gehe ich das optimistisch an, aber es gibt natürlich noch Luft nach oben.“
Allerdings sieht Amelung einige der Kompetenzerweiterungen durchaus kritisch. Politisch werde hier Zwietracht zwischen Ärzten und Apotheken gesät. Mecklenburg-Vorpommern sei ein Flächenland und ihre Apotheken lägen in eher ländlichem Gebiet. „Viele Apotheker sind aufgeschlossen, aber ich finde es nach wie vor eine heikle Sache, es sich mit den Landärzten zu verscherzen“, erklärt sie. „Ich kann die Ärzteseite verstehen.“
Die neuen pDL in Richtung Prävention seien zwar richtig, das Thema Impfen sieht sie dagegen kritisch. Auch bei Blutabnahmen und Testungen ist sie nicht überzeugt: „Ich weiß nicht, ob da der Bedarf da ist“. Die Gefahr bestehe, dass Patientinnen und Patienten nachträglich zum Beispiel nach einer Blutabnahme mit ihrem Befund doch wieder in die Hausarztpraxis gehen und am Ende doppelte Untersuchungen stattfinden.
Allerdings glaubt sie auch, dass es viel Misskommunikation zwischen der Ärzteschaft und Apothekerschaft hinsichtlich der Kompetenzerweiterungen gebe. „Ich glaube, es ist auch ein großes Kommunikationsproblem dazwischen.“ So würden viele Ärzte zum Beispiel fälschlicherweise denken, die Apotheken könnten in der ePA alles einsehen.
„Ich glaube, die werden total jeck gemacht durch ihre eigene Fachpresse“, so Amelung. In Gesprächen mit Ärzten auf einer Veranstaltung mit Dermatologen in ihrer Region habe man nach der Kommunikation festgestellt, dass man eigentlich doch am gleichen Strang ziehe. „Wenn man mit den Ärzten darüber spricht, dann merkt man eigentlich, dass es gar nicht so schlecht ist.“ Sinnvoll seien beispielsweise Rauchentwöhnung oder Blutdruckmessungen. Es brauche viel mehr Austausch zwischen den Berufen, appelliert sie.
„Die Abgabe von Rx-Medikation finde ich eine gute Sache“, erklärt sie. Gerade bei Schilddrüsen- und Blutdruckmitteln insbesondere bei Urlaubern, die ihre Dauermedikation vergessen haben. Bei Wirkstoffen mit beispielsweise Suchtrisiko würde sie nichts abgeben, auch wenn sie es rechtlich dürfte.
Außerdem sei die geplante Abgabe ein „selbstlimitierendes System“, weil es eine Selbstzahlerleistung ist. „Das funktioniert nicht, wenn es um eine Packung für 300 Euro geht.“