Aktuell häufen sich Berichte über Einbrüche in Apotheken, die medizinisches Cannabis lagern. „Dabei entsteht nicht nur erheblicher Sachschaden an den betroffenen Betrieben, sondern auch ein beträchtlicher finanzieller Verlust durch den Diebstahl“, erklärt Matthias Rausch, Risk Engineer beim Versicherungsunternehmen Helvetia. Umso wichtiger sei es, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um das Risiko solcher Vorfälle zu minimieren.
Experte Jörg Wedel sagt: „Wir wollen wertvolle Erkenntnisse aus vergangenen Schadenfällen sowie praxisnahe Tipps teilen, um Apotheken bestmöglich zu schützen.“ Denn aktuell würden Apotheken, die medizinisches Cannabis abgeben, immer mehr ins Visier geraten. „Das sind keine Gelegenheitstaten, sondern gezielte Einbrüche mit professionellem Vorgehen“, betont Rausch. „Die Täter suchen sich ihre Objekte bewusst aus und gehen mit erheblicher Energie vor.“
Das Besondere an den Fällen seien die hohen Werte, um die es bei den Einbrüchen gehe, sowie eine klare Zielrichtung. „Cannabis ist für Täter attraktiv, weil es sich auf dem Schwarzmarkt gut weiterveräußern lässt“, macht Rausch klar. Dazu komme: „Bei den Einbrüchen bleibt es oft nicht beim Diebstahl. Häufig entstehen erhebliche Schäden an Türen, Fenstern, Einbauten und an der gesamten Offizin.“
Dabei sei die Vorgehensweise mittlerweile typisch. „Die Täter kommen nachts und außerhalb der Betriebszeiten, häufig über Hintereingänge. Schwachpunkte sind rückwärtige Türen, Fenster zur Seite oder im Bodenbereich sowie Schiebetüren ohne besondere Sicherung“, so Rausch. Entscheidend sei oft, wo Täter mit möglichst wenig Widerstand rechnen. „Wenn die erste mechanische Barriere nachgibt, geht es schnell weiter“, weiß der Experte.
Die Schadensummen lägen meistens im sechsstelligen Bereich, „wenn man Warenverlust, Gebäudeschäden und Betriebsunterbrechung zusammennimmt“. Das zeige, dass es nicht um Kleinstmengen für den Eigenbedarf geht, sondern um professionalisierte Tätergruppen, die das Diebesgut weiterverkaufen möchten. „Dass es sich hierbei um wirtschaftlich massive Ereignisse für die betroffenen Apotheken handelt und die Patientenversorgung zunächst gestört sein kann, nehmen die Täter billigend in Kauf“, stellt Rausch klar.
Wieviel cannabisabgebende Apotheken in Sicherungsmaßnahmen investieren müssten, um überhaupt versicherbar zu sein, lasse sich pauschal nicht beziffern, so Rausch, und könne nach einer kostenfreien Risikobesichtigung vor Ort geklärt werden. „Entscheidend sind die baulichen Gegebenheiten und die individuelle Risikosituation vor Ort“, weiß er. „Grundsätzlich sind gute mechanische Sicherungen an Türen und Fenstern sowie eine zugelassene Einbruchmeldeanlage im Bereich Einbruchdiebstahl zwingend.“
Nicht jede Apotheke habe dieselben Voraussetzungen. „Die Vor-Ort-Betrachtung ist so wichtig, damit man nicht mit einem pauschalen Raster arbeitet, sondern die konkrete Situation bewertet“, so Rausch. Und er warnt: „Selbst direkt umliegende Wohnbebauungen wirken für die Täter nicht abschreckend.“
Apotheken, die die Anforderungen baulich nur schwer erfüllen können, rät er: „Sicherungsmaßnahmen sollten immer als Gesamtsystem gedacht werden. Mechanische Sicherungen sollen den Täter so lange aufhalten oder verzögern, dass im nächsten Schritt elektronische Sicherungen Interventionsmaßnahmen einleiten können.“ Wenn der bauliche Schutz begrenzt sei, werde die Einbruchmeldeanlage umso wichtiger. „Je nach Situation kann auch die Reduzierung des gelagerten Warenwerts oder die Anschaffung eines zugelassenen Wertbehältnisses sinnvoll sein“, so der Experte.
„In Einzelfällen kann zudem ein externes Lager eine Option sein, sofern dies vorab abgestimmt und die Sicherungslage sauber geklärt ist.“ Alternativ könne es auch sinnvoll sein, einen speziell gesicherten Raum zu schaffen, um die Ware aufzubewahren.
Es gebe aber auch Fälle, in denen eine Versicherung nicht greife oder eingeschränkt leistet. „Wenn vereinbarte Sicherungsmaßnahmen fehlen, bewusst falsche Angaben gemacht oder Risiken nicht gemeldet wurden, kann das problematisch werden“, so Rausch. „Deshalb ist es so wichtig, die Gegebenheiten offen und vollständig zu bewerten. Nur dann lässt sich sauber einschätzen, welche Maßnahmen erforderlich sind.“ Wichtig sei, nicht erst nach einem Schaden zu reagieren, sondern vorher präventiv zu unterstützen und auf das Risiko als Ganzes zu schauen. „Insbesondere Apotheken mit Cannabisabgabe brauchen keine Standardempfehlung von der Stange, sondern eine individuelle Einschätzung“, so Wedel.
Unter bestimmten Voraussetzungen könne ein externes Lager für medizinisches Cannabis sein. „Entscheidend sind die Sicherheitsanforderungen, die Erreichbarkeit und die Frage, wie sich Lagerung und Betrieb sinnvoll organisieren lassen“, so die Experten. In jedem Fall solle man das Risiko ernst nehmen, Schwachstellen ehrlich prüfen und Maßnahmen nicht aufschieben. „Wer die bauliche Situation kennt, kann gezielt nachrüsten und den Schutz deutlich verbessern. Gerade bei exponierten Lagen oder schwierigen baulichen Gegebenheiten lohnt sich die frühzeitige Beratung besonders.“