Diebe nicht reinlassen

Einbrüche: Cannabis-Apotheken im Visier

, Uhr
Berlin -

Gezielte Einbrüche bei Cannabis-versorgenden Apotheken nehmen spürbar zu und lassen Apotheken und Versicherer aufhorchen. Mehrere Kilogramm wurden beispielsweise aus einer Apotheke in Stuttgart gestohlen, im nahegelegenen Pforzheim wurde wenige Wochen später ebenfalls neben Bargeld und Arzneimitteln auch Cannabis entwendet. Der Spezialversicherer PharmAssec sieht hier einen auffälligen Trend und weist darauf hin, dass der beste Einbruchschutz eine gute Sicherung aller Gebäudezugänge ist. Schaffen es Täter nicht sofort einzudringen, geben sie schnell auf, um nicht schon beim Versuch erwischt zu werden.

„Die Fälle werden mehr“, sagt Expertin Andrea Bittner von PharmAssec zu den derzeit gehäuften Einbrüchen mit Cannabis-Beute. Seit Sommer gebe es regelmäßig Einbrüche mit diesem Schadensbild – teilweise auch in Betrieben mit großen Mengen, wodurch die Schadensummen in die Hunderttausende gehen könnten. Das Diebesgut Cannabis habe für den Einbrecher einen klaren Vorteil: „Es ist schnell verwertbar und schwer nachverfolgbar“, sagt Bittner und rechnet bei den Einbrüchen mit einem gezielten Vorgehen: Die Täter wüssten, dass hier etwas zu holen sei. „Oft ist das kein Zufall.“ Und: „Die Täter schlagen auch durchaus zwei Mal am selben Ort zu.“

Doch wie sollten sich Apotheken schützen? In der Sicherheitsbranche gelte der Grundsatz: „Mechanische Sicherungen gehen immer vor elektronische Sicherungen.“ So setzten viele Inhaber:innen beispielsweise auf Einbruchmeldeanlagen und Kameras, doch diese verhinderten den Einbruch nicht. „Das oberste Gebot ist immer, dafür zu sorgen, dass erst gar niemand reinkommt“, meint Bittner.

Sonst habe man im Zweifelsfall zwar ein Video vom Tathergang, aber der Schaden sei trotzdem entstanden. Insbesondere schlecht gesicherte Nebeneingänge, Fenster im Erdgeschoss oder rückwärtige Zugänge seien typische Angriffspunkte. Apotheken sollten ihre Bestände, Sicherungstechnik und Versicherungsschutz daher überprüfen – bevor ein Schaden eintritt.

Tipps direkt von der Polizei

Zum Einbruchschutz gebe es vielfältige und sehr gute Technik, Nachrüstungen seien nicht unbedingt teuer. Wichtig sei die Frage vorab: „Wo sind meine Schwachstellen?“ Dafür lohne es sich auch, die Polizei um Rat zu fragen, empfiehlt Bittner. Denn hier gebe es Angebote mit Risikobesichtigungen vor Ort, wie beispielsweise die Initiative „K-Einbruch“. Diese seien kostenfrei und ohne Bindung an einen Anbieter.

Wichtig sei auch die Abstimmung mit dem eigenen Versicherer: „Jeder hat andere Mindestanforderungen. Wenn ich weiß, ich muss etwas tun, sollte ich darüber mit meinem Versicherer sprechen und die bestehenden Verträge checken. Danach kann ich mit dem Techniker schauen, wie man die Anforderungen umgesetzt bekommt“, rät Bittner.

Bei der Suche nach einer geeigneten Firma für die nötigen Umrüstungen, empfiehlt Bittner, beim Bundesverband für Sicherungstechnik (BHE) nachzuschauen, die vertrauenswürdige Sicherheitsfirmen listet. Zudem vergebe der Verband der Schadenversicherer (VdS) bestimmte Anerkennungsklassen und liefere zertifizierte Partner für relevante Komponenten.

Braucht es so viel Cannabis an Lager?

Aufgrund des Volumens und der Lagerlogistik könnten Cannabisbestände in der Praxis häufig nicht vollständig in Wertschutzschränken aufbewahrt werden. Und das Nachrüsten von Sicherungstechnik an Türen und Fenstern stehe nicht immer im Einklang mit anderen Interessen, etwa denen des Vermieters oder auch des Denkmalschutzes. „Dann können auch mal innenliegende Gitter eine Möglichkeit sein. Sie bieten ebenfalls guten Widerstand und sind häufig auch unter diesen Bedingungen möglich“, so die PharmAssec-Expertin.

Neben dem Einbruchschutz sei auch eine andere Überlegung wichtig: „Ist es tatsächlich notwendig, so große Werte an Cannabis vorzuhalten? Kann ich es mir leisten, dieses Risiko einzugehen? Bekomme ich das Risiko überhaupt versichert?“ Inhaber:innen von Cannabis-Apotheken sollten aktives Risikomanagement betreiben und beispielsweise mit entsprechenden Lieferanten in den Austausch gehen, um nicht immer große Mengen vor Ort zu lagern.

Mit der zunehmenden Attraktivität von Cannabis als Diebesgut dürfte sich auch die Risikobewertung durch Versicherer weiter verändern. Apotheken sollten sich darauf einstellen, dass Anforderungen steigen und Kapazitäten zur Absicherung begrenzter werden könnten. Wer frühzeitig reagiere, verschaffe sich langfristig Vorteile bei Konditionen und Versicherbarkeit, so Bittner.

Guter Journalismus ist unbezahlbar.
Jetzt bei APOTHEKE ADHOC plus anmelden, für 0 Euro.
Melden Sie sich kostenfrei an und
lesen Sie weiter.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema