Impfstoff für Arztpraxen: Schreierei am Telefon

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Berlin -

Die dritte Bestellrunde entwickelt sich für einige Apotheken zu einer besonderen Herausforderung. Denn die von den Praxen angeforderten Mengen an Vials wurden zumindest teilweise deutlich gekürzt. Dazu kommt der unerwünschte Impfstoff von AstraZeneca. Die Folge: Diskussionen mit den Ärzt:innen – teils lautstark. Inhaber werden zu Krisenmanagern.

Eine Apothekerin aus Hessen muss erst einmal ruhig durchatmen. Gerade liegt ein Telefonat mit einer Arztpraxis hinter ihr, bei dem es laut wurde. Hintergrund ist die Kürzung der Impfstoffbestellung, die der Großhandel mitgeteilt hat. Die Pharmazeutin versorgt zwei Praxen mit Corona-Impfstoff. Beide wollten zunächst gar keine Vakzine von AstraZeneca bestellen.

Deshalb fuhren die Angestellten extra hin, um aufzuklären. „Am Montag sind wir in die umliegenden Praxen, um zu erklären, dass sie Vaxzevria bestellen müssen, um Comirnaty zu erhalten.“ Sie erklärte die Verteilung und beide orderten die maximale Anzahl – also insgesamt jeweils 42 Dosen Impfstoff. Der Großhändler Gehe informierte heute, dass jedoch nur drei Vials von Biontech (18 Dosen) und drei Vials von AstraZeneca (30 Dosen) geliefert werden können.

Doch wie diese Menge gerecht durch zwei Praxen teilen? „Das Prozedere ist einfach bescheuert“, ärgert sich die Inhaberin. Als eine Mitarbeiterin einem Arzt heute Morgen die Botschaft überbrachte, dass er jeweils nur ein Vial erhalten werde, gab es am Telefon eine lautstarke Antwort. „Ich habe mich dann eingeklinkt und erklärt, dass wir nur die Verteiler sind und die Kürzung nicht unsere Schuld ist“, sagt die Inhaberin. Ihre Angestellte sei nach dem Ausbruch des Mediziners regelrecht am Zittern gewesen.

Nach dieser Reaktion hatte sie genug: „Ich habe versucht, die Bestellung komplett zu stornieren“, sagt sie. Der Anruf bei Gehe war jedoch nicht erfolgreich: „Das geht nicht, weil man beim Bund bestellt. Die momentane Situation ist ja schlimmer als die Zuteilung in der DDR“, sagt die Apothekerin, die aus Ostdeutschland stammt. „Wenn die Praxen selbst nicht hinter AstraZeneca stehen und den Impfstoff nicht impfen wollen, wird es dafür keine Akzeptanz in der Bevölkerung geben.“ Sie selber habe die erste Spritze mit Vaxzevria erhalten und sei damit sehr zufrieden.

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