Apotheker fürchtet Einbruch wegen Impfstoff

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Berlin - Die Versorgung der Praxen mit Covid-19-Impfstoffen sorgt in vielen Apotheken erneut für Diskussionsbedarf. Denn die Aufhebung der Priorisierung und der Obergrenze bei AstraZeneca sorgen mitunter für falsche Vorstellungen über die Liefermengen bei den Ärzt:innen. Ein Inhaber aus Berlin muss sich wie viele Kollegen deshalb rechtfertigen. Ihn treibt noch eine weitere Sorge um: Er fürchtet Einbrüche durch Impfstoff-Diebe.

Der Pharmazeut aus Berlin will seinen Namen nicht öffentlich nennen. In dieser Zeit hat er kein gutes Gefühl, was die Sicherheit seines Betriebs angeht. Denn angesichts der Lieferzeiten seines Hauptlieferanten muss er den Vektor-Impfstoff von AstraZeneca neuerdings länger in der Apotheke zwischenlagern, als ihm lieb ist. „Seit letzter Woche liefert Phoenix am Freitagnachmittag um 13 Uhr“, sagt er. Zu dieser Zeit könne er nur noch wenige Praxen erreichen.

Seine direkten Mitbewerber hätten bereits in neue Schließsysteme investiert und Gitter und Rollsysteme an den Eingangstüren angebracht. „Ich habe am Wochenende kein gutes Gefühl. Die Sorge vor einem Einbruch ist größer geworden.“ Warum sein Großhändler plötzlich am Freitag statt am Wochenanfang liefert, weiß er nicht. Die Großhändler erhalten Vaxzevria vom Bundeslager und nicht wie Biontech direkt vom Hersteller.

Beratungsbedarf gebe es momentan auch wieder bei den tatsächlich gelieferten Mengen, sagt der Apotheker. Es werde – anders als in den Medien transportiert – mehr gekürzt. „Wir werden für neun unserer Ärzt:innen in der KW 20 für Erstimpfungen mit Biontech nur sieben Vials erhalten.“ Deshalb könnten zwei Praxen in der kommenden keine Termine für Erstimpfungen mit Comirnaty vergeben. „Die Ärzt:innen finden es lächerlich, dass sie keine Erstimmunisierung vornehmen können. Und ich habe die undankbare Aufgabe, sieben Vials auf neun Ärzt:innen aufzuteilen.“

Die Reaktionen aus den Praxen seien gemischt gewesen, sagt er. Diejenigen, die leer ausgingen, seien wütend. „Ich verstehe die Ärzte ja, aber sie wälzen es auf mich ab, und ich kann nichts machen.“ Es gebe einfach momentan zu wenig Impfstoff von Biontech. Auch die Liefermengen für AstraZeneca seien gekürzt worden – obwohl die Ärzte ohne Obergrenze bestellen sollen. Von sieben bestellten Vials Vaxzevria erhält der Apotheker nur fünf. Die Aufhebung der Priorisierung führe zu falschen Annahmen über die tatsächlich verfügbaren Liefermengen. In den kommenden zwei Wochen sollen laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) jeweils rund 2,7 Millionen Dosen an die Praxen ausgeliefert werden. Erst ab Juni soll mehr Impfstoff für die Kassenärzt:innen zur Verfügung stehen.

 

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