Kein AstraZeneca: Apotheken sollen Praxen sperren

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Berlin -

Die Diskussion um den AstraZeneca-Impfstoff geht weiter – und der Ton wird rauer: Apotheken sollen Ärzt:innen, die keine Vials von Vaxzevria bestellen, über die zwingend gleichmäßige Lieferung der Covid-19-Impfstoffe informieren. Wer dann immer noch auf Comirnaty beharrt, soll gar nicht beliefert werden. Kammern und Verbände informieren über das weitere Vorgehen.

Offenbar gibt es zahlreiche Ärzt:innen, die ihren Patienten keinen Impfstoff von AstraZeneca anbieten wollen. Hintergrund sind die Meldungen über Nebenwirkungen und das damit verbundene schlechte Image des Vakzins. Die Abda traf sich gestern Abend mit Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), des Großhandelsverbands Phagro und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), um über die Problematik zu sprechen.

Ein Ergebnis: Wenn die Praxis ausdrücklich Comirnaty bestelle und keine generische Bestellung vorliege, solle die Apotheke Kontakt mit dem Praxispersonal aufnehmen. Die Ärzt:innen sollten über die Vorgabe der generischen Bestellung informiert werden, die zwingend mit der gleichmäßigen Lieferung der Vials von Comirnaty und des Covid-19-Impfstoffes von AstraZeneca verbunden sei. Wolle die Praxis weiterhin nur Comirnaty beziehen, „kann die Bestellung nicht beliefert werden, weil der Großhandel nur gleichmäßige Bestellmengen ausliefert“.

Die Durchimpfungsrate der Bevölkerung sei noch nicht so hoch, dass es keine ungeimpften Personen mehr gebe, die den Impfstoff von AstraZeneca nicht erhalten dürften. Wenn der Arzt generisch verordnet habe, müsse er akzeptieren, dass er aufgrund der Verfügbarkeiten sowohl Comirnaty als auch Vaxzevria erhalte. Bei generischen Bestellungen bleibe es bei dem bisher mitgeteilten Verhältnis von 1:1 beziehungsweise jeweils das gleiche ganze Vielfache bezogen auf die Anzahl der Vials der beiden Hersteller. „Es darf keinesfalls über die Bestellungen der Ärzte hinaus aufgestockt werden.“

Die Berliner Apothekerkammer rät ihren Mitgliedern: „Zur Vermeidung von Diskussionen verweisen sie den Arzt bitte an die Kassenärztliche Vereinigung. Die KBV hat die Entscheidung mitgetragen.“ Gestern sollten die Apotheken die Bestellungen noch zurückhalten. Die Aufträge sollen jetzt heute bis spätestens 15 Uhr beim Großhändler vorliegen, heißt es weiter. Das weitere Vorgehen bleibe unverändert. Zudem informiert die Kammer, dass diese Vorgabe nur für die KW 16 gelte. Wie es in den kommenden Wochen mit Bestellungen weitergeht, ist noch in der Abstimmung.

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