Lange Wartelisten

Ärztin: „Ich impfe keinen unter 50 mit AstraZeneca“

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Berlin -

Mittwoch ist Impftag in der Hausarztpraxis von Dr. Heike Mohler-Riegel im fränkischen Haßfurt. „Das Interesse an der Corona-Schutzimpfung ist sehr groß“, sagt die Medizinerin. Auch eine Sonderlieferung mit Vaxzevria von AstraZeneca aus einem Impfzentrum wurde sie schnell los. Mit dem Service ihrer Apotheke ist sie sehr zufrieden.

Seit Anfang April impft Mohler-Riegel ihre Patienten gegen Covid-19. „Wir haben lange Wartelisten und können nicht alle bedienen“, sagt sie. Zuerst kämen die vulnerabelsten Gruppen an die Reihe. Es gebe noch immer über 80-Jährige, die beispielsweise nicht in ein Impfzentrum wollten oder sich nicht online anmelden konnten. „Wir haben auch noch Patienten zwischen 70 und 80 Jahren.“ Dazu kämen momentan unter anderem Diabetiker mit Übergewicht. „Wir befinden uns momentan in der Priorisierungsgruppe 2, verzeinzelt auch 3.“

Die Hausärztin würde gerne mehr Patienten impfen. „In der ersten Woche haben wir nur Impfstoff für 18 Personen erhalten, in der zweiten ebenfalls.“ In der dritten Woche seien es 30 Dosen Comirnaty gewesen, plus eine Extralieferung aus dem Impfzentrum der Stadt. „Wir haben 30 Dosen AstraZeneca angeboten bekommen.“ Auch wenn nicht jeder diesen Impfstoff wolle, sei er sofort weggewesen. „Wir haben zu wenig und müssen genau auswählen, wer geimpft wird.“ Auf der Warteliste stünden rund 100 Patienten. Die Lieferung durch die Apotheke funktioniere „hervorragend“. „Wir hätten gerne mehr, aber da kann die Apotheke ja nichts machen.“ Schwierig sei allerdings, dass man nur kurzfristig planen könne. „Wir wissen nicht, was wir übernächste Woche bekommen.“

Nur ganz wenige Patienten müssten überredet werden, sich impfen zu lassen, sagt Mohler-Riegel. Vorbehalte gegen den Impfstoff von AstraZeneca gebe es kaum. „Ich persönlich bin nicht generell dagegen.“ Sie habe noch keine Rückmeldung, dass einer ihrer Patienten die Impfung nicht vertragen habe. Die Anfrage sei groß. „Ich impfe damit die über 60-Jährigen.“ Die Freigabe des Impfstoffes für alle Altersgruppen sieht sie kritisch: „Ich impfe keinen unter 50 mit AstraZeneca. Warum soll man Risiken eingehen, wenn es Alternativen gibt.“ Ausnahmen würde sie nur nach eingehender Beratung für Männer über 50 Jahre machen.

Personell sei der zusätzliche Service nur möglich, weil sie seit kurzem eine zweite Ärztin im Team habe. Mohler-Riegel lobt das Engagement ihrer Angestellten. „Meine ‚Damen‘ sind toll.“ Auch wenn die vergangenen Monate etwa wegen der Organisation der PCR-Tests „belastend“ gewesen seien, sei man „gut zurechtgekommen“. Die Abstriche würden vor der Praxis am Auto der Patienten durchgeführt. Eine Laborfachkraft sei dafür eingespannt.

Unter ihren Patienten habe es insgesamt rund 50 bestätigte Fälle gegeben. Ein über 70-Jähriger sei bisher verstorben. Aktuell lägen zwei weitere zur Behandlung im Krankenhaus, einer davon auf der Intensivstation. Die Ärztin ist in engem Kontakt mit der Klinik und den Angehörigen. Über das Telefon betreut sie Infizierte. „Wir haben schwere Fälle und viele junge Patienten, bei denen es nicht so schlimm ist.“ Mitunter misst sie draußen vor der Praxis die Sauerstoffsättigung und horcht auf die Lunge. „Ich schicke die Patienten auch ambulant zum Röntgen der Lunge in die Klinik.“

Die Hausärztin empfiehlt Patienten, die sich mit Sars-Cov-2 infiziert haben, hochdosiertes Vitamin C einzunehmen. Außerdem habe sie gute Erfahrungen mit der Gabe von Budesonid als Dosieraerosol gemacht. „Der Verlauf wird dadurch besser, die Entzündungen in den Bronchen heilen ab.“ In der Klinik werde dies hochdosiert gegeben. Eine Studie der Oxford University konnte unlängst zeigen, dass der frühzeitige Einsatz des Glucocorticoids sogar eine Hospitalisierung von Covid-Patienten vermeiden kann. Symptomatisch empfehle sie Paracetamol oder Ibuprofen. „Viel mehr gibt es nicht.“

 

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