Betriebsärzte entsetzt: Apotheken verlangen Servicegebühr

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Berlin - Das Interesse am Covid-19-Impfstoff für Betriebe ist groß. Davon geht Dr. Wolfgang Panter, Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW), aus. Er schätzt, dass sich zum Start mindestens 1000 Betriebsärzt:innen mit Aufträgen an Apotheken wenden – und warnt seine Kolleg:innen vor Pharmazeut:innen, die schon vorab eine Art Servicegebühr für den Aufwand einforderten.

Anfang der Woche informierte der VDBW seine rund 3600 Mitglieder über den Start der Impfkampagne in den Unternehmen. „Die Resonanz war sehr stark“, sagt Panter. „Ich gehe davon aus, dass mindestens 1000 Kolleg:innen eine erste Bestellung abgeben werden.“ Vor allem die überregional tätigen betriebsärztlichen Dienste würden „im großen Stil“ Impfstoff bei Apotheken bestellen.

In großen Betrieben sei alles für die Impfung vorbereitet, sagt er. „Nur der Impfstoff fehlt bisher.“ Die Unternehmen haben Kühlschränke angeschafft und Abläufe festgelegt. Zudem hätten sie Erfahrung mit großangelegten Impfaktionen etwa im Bereich Hepatitis- oder Grippeschutzimpfung. Am 7. Juni sollen die Apotheken die ersten Vakzine von Biontech ausliefern. Zur Verfügung stehen 500.000 Dosen und maximal 804 Dosen pro Ärzt:in. Panter geht davon aus, dass sich in der ersten Runde maximal 2000 Ärzt:innen beteiligen. Sie sollen heute bis 12 Uhr in Apotheken bestellen.

Panter geht nicht davon aus, dass die Mitglieder oder Dienste nur über eine einzige Apotheke bestellen werden. „Aufgrund der teils vorhandenen Entfernungen der Dependancen tut es regional Not, dass vor Ort bestellt wird.“ Sinnvoll könnten Kooperationen von einzelnen Apotheken sein. Dies sei jedoch im Einzelfall abzustimmen. Die Belieferung mit den Vakzinen sei nicht zentral möglich. „Ich glaube nicht, dass alle Apotheken Betriebsärzt:innen beliefern werden.“

Nicht in jedem Fall haben Betriebsärzt:innen eine Apotheke vor Ort, die regulär für die Bereitstellung von Arzneimitteln und weiteren Produkten sorgt. In diesen Fällen soll Kontakt zu einer Apotheke vor Ort aufgenommen werden. Eine Herausforderung ist laut Panter, dass nicht abschätzbar sei, wie viele Angestellte sich letztlich im Betrieb gegen Covid-19 impfen lassen wollten. „Vielleicht sind einzelne Mitarbeiter:innen bereits geimpft, etwa weil sie Diabetiker sind und bereits eine Erstimpfung haben.“

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