Spahn bringt eigenes Magazin heraus

, Uhr

Berlin - In der Apotheke ist heute mehr los als sonst. Vor der Offizin hat sich eine lange Schlange gebildet. Gibt es Gratis-Masken für alle oder ein Millionengewinnspiel? Nein, die neue „Jens“ ist da – das Magazin von und mit Gesundheitsminister Jens Spahn.

Es begann Mitte Februar 2021: Das Landgericht München I hatte die Frechheit, dem Minister einen Kartellverstoß zu unterstellen, nur weil der sich bei der Nischensuchmaschine Google die Top-Platzierung gesichert hatte. Spahn hatte dafür kein Verständnis: Demokratie bedeutet doch, dass die besten und fähigsten einer Gemeinschaft ganz nach oben kommen und die Verantwortung nehmen, oder nicht? Also haben sie auch die besten Informationen. Und die müssen auch ganz oben stehen. Einfache Gleichung, aber der Minister hat sich verrechnet.

Nach der Schlappe vor Gericht hatte Spahn zunächst erwogen, sich einen Doktortitel zu kaufen, damit seinen Botschaften noch mehr Seriosität zugemessen wird und sie im Google-Ranking steigen. Doch Parteifreunde rieten ab. Bild-Zeitung? Zu unberechenbar. Alle zwei Wochen das Cover der Apotheken Umschau kapern? Gibt nur wieder Ärger mit Burda. Spahn besinnt sich auf seine Stärken: Ego-Promo. Er macht einfach sein eigenes Magazin, den Titel hat er schon: Jens Health!

Was steckt drin? Gesundheitsthemen, von den besten Experten in den obersten Bundesbehörden zusammengestellt und abgesegnet, dazu gesundheitspolitische Einblicke aus allererster Hand. Spahn erklärt selbst seine wichtigsten Gesetze und für die ganz eingefleischten Jens-Fans gibt es ein XXL-Faltposter des Superministers. Wenn Umschau und MyLife in der Apotheken überrundet sind, könnte der Sprung in den Kiosk folgen.

Der Ansatz ist ein universeller: Den Evidenz-Enthusiasten liefert Spahn einen Homoöpathie-Check. Den People-Interessierten gibt er wohldosierte Einblicke in sein Privatleben. Die besten Minister-Rezepte zum Nachkochen, Jens Fitness-Programm, „Spahns Sofa“ mit Buch- und Filmtipps. Natürlich dürfen auch die Apothekenmagazin-Klassiker nicht fehlen: Rätselspaß mit Knobel-Spahn und TV-Programm mit Minister-Empfehlung. Moniert wurde von der Leserschaft allerdings, dass der große Selbsteinschätzungstest „Der Kannsler“ schon ausgefüllt ist.

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
US-Staatsanwälte schreiben an Zuckerberg
Facebooks Umgang mit Impfgegnern»
Nur noch eine Rezeptur pro Verordnung
Platzmangel durch Hash-Code und Z-Daten»
Dosierungsangabe
Achtung Retax: >>2x»