Barmer-Arzneimittelreport

Biosimilars: Bremen liegt vorn

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Berlin -

Durch eine stärkere Nutzung von Biosimilars ließen sich nach Einschätzung der Barmer GEK Milliarden einsparen: Laut Arzneimittelreport der Kasse könnten in den kommenden fünf Jahren die Ausgaben für Arzneimittel um mehr als vier Milliarden Euro gesenkt werden. Die Ärzte hätten den Schlüssel dafür in der Hand, so Barmer-Chef Dr. Christoph Straub.

Allein bei der Barmer GEK lasse sich in dem Zeitraum durch eine konsequente Verschreibung von Biosimilars eine halbe Milliarde Euro einsparen. Bei einer Therapie mit biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln sollten Biosimilars verstärkt angewendet werden, denn die Versorgungsqualität leide nicht darunter, erklärte Straub. Und die frei werdenden Mittel könnten in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für andere innovative Medikamente verwendet werden.

Einige der umsatzstärksten biotechnologisch hergestellten Medikamente hätten kürzlich ihren Patentschutz verloren beziehungsweise würden diesen in Kürze verlieren, so Straub. Damit würden mehr Biosimilars auf den Markt drängen, die im Schnitt ein Viertel günstiger seien als das Originalpräparat. „Es entsteht über die Biosimilars eine Wettbewerbssituation, in der die behandelnden Ärzte zwischen zwei oder mehreren therapeutisch gleichwertigen, aber unterschiedlich teuren Alternativen wählen können.“ Aufgabe der Ärzte sei es, medizinisch richtig, aber eben auch wirtschaftlich sinnvoll zu verordnen.

Biopharmazeutika verursachen laut Report 21 Prozent der Gesamtkosten für Arzneimittel. Dem Report zufolge ist zwischen den Jahren 2010 und 2015 der Anteil der Versicherten, die ein biotechnologisch hergestelltes Arzneimittel erhalten haben, im ambulanten Sektor von 3,1 auf 4 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum sind die Ausgaben für diese Arzneimittel um mehr als 40 Prozent gewachsen und machen inzwischen 1,2 Milliarden Euro aus.

Ob ein Patient ein Biosimilar erhält, hängt laut Barmer auch davon ab, wo er wohnt. Die Biosimilarquoten differierten je nach Kassenärztlicher Vereinigung (KV) erheblich: Während die Ärzte in Bremen in 54,2 Prozent der Fälle Biosimilars verordnen, sind es laut Barmer im Saarland nur 27,4 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern weise für einen Wirkstoff gar eine „Null-Quote“ aus.

„Medizinisch lassen sich diese enormen regionalen Differenzen bei den Verordnungsquoten nicht erklären. Dass viele Ärzte Biosimilars nur selten verordnen, könnte an der Informationspolitik der Pharmahersteller liegen, die schwindende Umsätze bei ihren teureren Originalpräparaten befürchten“, so der Autor des Arzneimittelreports, Professor Dr. Daniel Grandt, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I des Klinikums Saarbrücken. Umso mehr komme es auf die KVen in den einzelnen Ländern an, noch stärker über Biosimilars zu informieren und mögliche Vorurteile aus der Welt zu räumen.

Die Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars begrüßte das „sehr klare und positive Statement“ der Kasse. „Biosimilars brechen bestehende Monopole auf. Sie sind damit eine große Chance für unser Gesundheitssystem. Denn Patienten können bei gleicher Wirksamkeit und gleicher Qualität spürbar kostengünstiger versorgt werden“, so der Vorsitzende Dr. Andreas Eberhorn.

Man stimme mit der Barmer GEK überein, war die Rolle der Ärzte und KVen angehe. Auch die Bundesregierung habe im Pharmadialog erkannt, dass es regional bereits sehr gute Ansätze gibt, Biosimilars schnell in die Versorgung zu bringen. „Gute und wissenschaftlich abgesicherte Information und umfassende Beratung stehen dabei im Vordergrund. Deswegen engagieren wir uns dafür, dass wir diese ‚best practices‘ im Rahmen der bevorstehenden Gesetzgebung bundesweit ausrollen.“

Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), wies auf die Restunterschiede zwischen Original und Biosimilar hin. Entsprechend müsse ein Präparatewechsel bei gut eingestellten Patienten sorgfältig überlegt sein und allein in der Verantwortung des Arztes liegen.

Biosimilar-Quoten oder Zielvereinbarungen, die einen Arzt bewegten, Patienten jenseits medizinischer Gründe auf bestimmte Medikamente ein- oder umzustellen, seien überflüssig und abzulehnen. Biosimilars seien längst in den ärztlichen Verordnungen etabliert und hätten bereits heute hohe Verordnungsanteile. „Die Notwendigkeit einer speziellen Förderung besteht daher nicht.“

Da man als VFA Firmen mit und ohne eigene Biosimilar-Aktivitäten vertete, könne man eine „ausgewogene Position“ vertreten, so Fischer. „Als Wirtschaftsverband tritt der VFA dafür ein, dass Unternehmen Marktanteile durch Wettbewerb mittels Qualität und guten Angeboten erringen und nicht einfach zugeteilt bekommen. Quoten für bestimmte Produktgruppen haben im Gesundheitswesen noch nie den Qualitätswettbewerb befördert!“

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