NDMA-Verunreinigung

Valsartan: Anwälte informieren Betroffene

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Berlin -

Noch immer sitzt der Schock für viele Patienten tief, jahrelang einen verunreinigten Blutdrucksenker geschluckt zu haben. Einige befürchten, dass sie eines Tages an Krebs erkranken, andere wiederum äußern sich lautstark gegen das Gesundheitssystem. Welche gesetzlichen Ansprüche resultieren aus dem Valsartan-Fall? Dieser Frage widmen sich Freiburger Fachanwälte diese Woche und geben Betroffenen bei einer Veranstaltung Informationen zu ihren Rechten und Pflichten.

Die Entdeckung von N-Nitrosodimethylamin (NDMA) in Valsartan-Tabletten, die in China hergestellt wurden, führte im Juli zu einer großen Rückrufwelle in Deutschland. Die Substanz wurde zufällig entdeckt und war bei den Kontrollen nicht aufgefallen. Ursache war höchstwahrscheinlich die Änderung des Lösungsmittels im Syntheseweg, die dann zur Bildung des Stoffs geführt hat.

Die Weltgesundheitsorganisation stuft NDMA als „wahrscheinlich krebserregend” ein. Im Tierversuch an Nagetieren wurde eine kanzerogene Wirkung auf Leber, Niere, Lunge und Blutgefäße bereits bei einer Gesamtdosis von 1 mg/kg Körpergewicht festgestellt. Bei oraler Gabe entwickelten sich vorwiegend Lebertumore. Zwar gibt es keine Daten zur Wirkung am Menschen, jedoch könne aufgrund der Gewebeähnlichkeit auf eine kanzerogene Wirkung geschlossen werden. Die Substanz methyliert die DNA-Basen Guanin und Adenin und kann auch in gepökeltem Fleisch sowie in alkoholischen Getränken vorkommen.

Noch ist auch nicht bekannt, ob und in welcher Konzentration die Verunreinigung auch in den Fertigarzneimitteln enthalten ist. Das Gefährdungspotenzial wird derzeit noch auf europäischer Ebene bewertet. Die Patienten sind hilflos, da sie seit Wochen auf eine Aufklärung und auf eine Risikoabschätzung warten; zudem sind sie beunruhigt wegen der Gesamtsituation. Ricarda Thewes und Heiko Melcher, zwei Freiburger Fachanwälte für Medizinrecht der Kanzlei Schnepper Melcher, wollen nicht länger zusehen. Sie haben deshalb für den kommenden Donnerstag eine Veranstaltung für Patienten organisiert. Ziel sei es, die Betroffenen über das Medikament und den Rückruf zu informieren.

Außerdem sollen sie einen Überblick über ihre Rechte bekommen, wie beispielsweise Auskunftsrechte gegenüber den Pharmafirmen oder Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche und deren Durchsetzbarkeit. Die Veranstaltung ist kostenlos und beginnt um 18 Uhr in der Kanzlei in der Kaiser-Joseph-Str. 262/Zugang Rempartstr. 1. Für Interessierte ist eine Voranmeldung unter [email protected] notwendig.

Im vergangenen Monat hatten auch Apotheker sich im Sinne der Patienten engagiert: Das Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) hatte in Zusammenarbeit mit der Paracelsus Medizinische Universität und dem Klinikum Nürnberg Veranstaltung in den Räumlichkeiten des Klinikums Nürnberg organisiert. Betroffene Patienten konnten an diesem Abend Professor Dr. Ralf Stahlmann von der Berliner Charité, dem emeritierten Universitätsprofessor Dr. Theo Dingermann sowie dem Pharmakologen Professor Dr. Fritz Sörgel vom IBMP Fragen stellen und sich zu Hintergründen informieren.

Einer der Teilnehmer war Sandra Ehrenreich. Sie monierte, dass es als Patient schwierig sei, wenn man keine richtige Anlaufstelle habe. Es gebe keine Informationen für Patienten, was es mit der Verunreinigung genau auf sich habe. Offizielle Daten? Fehlalarm. „Auch nach sechs Wochen ist noch immer nichts gemacht. Es gibt keine Listen, wo man das einsehen kann”, sagte sie gegenüber ARD-Reportern. „Als Patient ist man ganz allein auf weiter Flur.“

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