Zyto-Pfusch

Ermittlungen gegen Hexal-Vertreter

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Berlin -

Der Prozess um den mutmaßlichen Pfusch-Apotheker Peter S. zieht immer weitere Kreise. Wie jetzt bekannt wurde, leitete die Staatsanwaltschaft Essen im März ein Ermittlungsverfahren gegen den Hexal-Vertreter Wilfried H. ein.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen S. und H. wegen Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung im geschäftlichen Verkehr. Im Fokus steht eine Lieferung von Elektro-Haushaltsgeräten an den Pharmavertreter, die von S. bezahlt worden sein soll. Oberstaatsanwältin Anette Milk weist ausdrücklich darauf hin, „dass es dabei nicht um sogenannte ,Schwarzverkäufe‘ von Medikamenten geht“.

H. war von der Verteidigung des angeklagten Apothekers im Februar vor Gericht befragt worden. Die Anwälte wollten beweisen, dass H. aus dem Kofferraum seines Autos Medikamente an S. verkauft habe. Durch die Schwarzverkäufe sollten die Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung der Alten Apotheke erklärt werden. Diese hatte wesentlich mehr Zytostatika abgerechnet als sie eingekauft hatte. Hexal hatte solche Verkäufe bereits im November verneint, entließ H. aber im März. Er habe gegen interne Richtlinien verstoßen, hieß es damals.

Auch der Pharmareferent dementierte vor Gericht die Schwarzverkäufe. Er habe generell keinen Kontakt zu Präparaten, da diese von spezialisierten Unternehmen ausgeliefert würden. Durch die günstigen Konditionen lohnten sich solche Schwarzverkäufe nicht. Als die Verteidigung H. fragte, ob er jemals Geldzahlungen oder andere Vorteile von S. erhalten habe, verweigerte er die Aussage. Die Ermittlungen werden vermutlich nicht in den nächsten Wochen abgeschlossen. Ob und wann es zu einer Anklageerhebung kommt, ist daher noch unklar.

Laut Verteidigung soll H. sechs Haushaltsgegenstände im Wert von insgesamt 7000 Euro von S. bekommen haben. Bei Hexal hatte man nach der Aussage des Vertreters vor Gericht eine interne Untersuchung eingeleitet. Warum H. die Möbellieferungen erhielt, kann man sich in Holzkirchen nicht erklären. Es habe keine Gegenleistung von Hexal gegeben.

In einem Privatkeller der Alten Apotheke waren abgelaufene Krebsmittel gefunden worden, neben Carboplatin fanden sich auch Packungen von 5-Fluorouracil und Irinotecan im Regal. Alle diese Krebsmittel stammen von Hexal. Im Prozess spielen sie allerdings keine Rolle, da die Quoten aus Einkauf und Abrechnung hier zwischen 90 und 108 Prozent liegen. Die Staatsanwaltschaft hatte laut Correctiv nur Wirkstoffe in die Anklage aufgenommen, bei denen weniger als 70 Prozent der abgerechneten Mengen eingekauft wurden.

Der Prozess vor dem Landgericht Essen geht offenbar langsam in die Zielgerade. Kürzlich forderte der Vorsitzende Richter Johannes Hidding die Parteien auf, sich auf die Schlusserklärungen vorzubereiten, da die Beweisaufnahme vermutlich abgeschlossen sei.

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