TV-Sendung

„Höhle der Löwen“: Orthomol-Chef wird Investor

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Berlin -

Das TV-Format „Die Höhle der Löwen“ bekommt einen siebten Investor: Nils Glagau, Geschäftsführender Gesellschafter von Orthomol, wird bei Vox im kommenden Jahr vom Ledersessel aus Produktideen bewerten und Start-ups unterstützen. „Ich bin ganz authentisch und versuche die Gründer mit Charme und Argumenten zu überzeugen“, sagte er im Interview mit dem Sender.

In der sechsten Staffel der Sendung „Die Höhle der Löwen“ wird Glagau neben Carsten Maschmeyer, das Team um Judith Williams und Dr. Georg Kofler sowie Dagmar Wöhrl, Frank Thelen und Ralf Dümmel sitzen. In der Show treten Firmengründer mit neuen Geschäftskonzepten auf und präsentieren ihre Ideen vor den „Löwen“. Sie bieten Anteile an ihrem Unternehmen an. Die Investoren wiederum versuchen, sich die besten Projekte zu sichern.

Glagau zufolge sollte ein Gründer für seine Idee brennen. „Ich muss spüren, dass er sich wirklich in seiner Welt auskennt und dementsprechend auf jede Frage eine Antwort hat und dann überzeugt er, so glaube ich, auch sein Gegenüber“, sagte er. Der Unternehmer bringt laut eigenen Angaben „langjährige Erfahrung rund um die Welt der Gesundheit, Ernährung, Bewegung und Sport“ mit. Er übernahm Orthomol nach dem Tod seines Vaters und leitet das Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern heute gemeinsam mit dem technischen Geschäftsführer Dr. Michael Schmidt.

Der Firmenchef freut sich auf die neue Aufgabe. Die Situation der Gründer kenne er durch die eigene Unternehmergeschichte sehr gut. „Denn Orthomol ist selbst in den letzten 27 Jahren buchstäblich aus der Garage hinaus zu einer der führenden Marken in der Apotheke geworden.“ Bei „Die Höhle der Löwen“ sei er auch an kreativen Köpfen aus unterschiedlichen Bereichen interessiert.

„Wir haben immer schon aus Produkten starke Marken aufgebaut“, sagte er. „Ich glaube durch unser Marketing, durch unseren Vertrieb, durch unsere Produktion und auch ein gutes Netzwerk kann ich vielen Gründern mit sehr viel Erfahrung bei Seite stehen.“ Bereits Anfang des Jahres kündigte Orthomol an, Start-ups aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Bewegung fördern zu wollen. Dafür sollten die eigenen Netzwerke und das Know-how geteilt werden. Auch Minderheitsbeteiligungen schloss das 1991 gegründete Unternehmen nicht aus.

Unter dem Stichwort „Orthomol Innovations“ sollten Produkte, Serviceleistungen, Technologien oder Geschäftsmodelle gefördert werden. Eine Voraussetzung: „Die Ideen sollten zur Orthomol-DNA passen und kundenorientiert sein“, sagte Projektleiter Dr. Sven Nottebaum im Februar.

In der Vox-Sendung werden regelmäßig Neuheiten aus dem Gesundheitsbereich präsentiert. Der Sender kommentiert den Neuzugang mit: „Das Rudel wächst“. Gleichzeitig wird spekuliert, dass der Orthomol-Chef alteingesessene Löwen ersetzen könnte: Laut Bild am Sonntag (BamS) soll Glagau im Investoren-Bunde auch den vor Kurzem angekündigten Teilrückzug von Judith Williams und Frank Thelen ausgleichen. Thelen hatte schon oft betont, mit seinen eigenen Technologie-Start-ups wie die Entwicklung eines Flugtaxis mehr als ausgelastet zu sein. „Ich kann nur so viel sagen, dass ich nicht für ewige Zeiten bei der ,Höhle der Löwen‘ dabeibleiben werde. Ich bin der Sendung für vieles sehr dankbar, aber ich sitze am liebsten in meinem Büro und arbeite mit herausragenden Gründern an Quanten-Computern und künstlicher Intelligenz“, sagte er der Zeitung.

Privat interessiert sich Glagau für Archäologie. Er studierte Ethnologie mit Schwerpunkt auf Altamerikanistik. In Mittelamerika erforschte er die Maya-Kultur. Obwohl er mit seinem Beruf und seinen Zwillingen stark ausgelastet ist, macht er sich so oft es geht auf die Reise, um nach historischen Artefakten zu suchen. Er ist das einzige Familienmitglied, das noch im Unternehmen aktiv ist.

Einen Hit bei den Löwen landete das 2015 von Jörn-Marc Vogler, seiner Frau Grazia De Francesco und deren Schwester Beatrice De Francesco gegründete Hamburger Start-up Veluvia. Investor Dümmel brachte die Nahrungsergänzungsmittel flächendeckend in den Mass Market. Im April nahm Veluvia die Produkte zugunsten des Vetriebskanals Apotheke bewusst aus dem stationären Handel und dem Vendor-Programm bei Amazon. Die Apotheke sei der einzige Vertriebskanal, der Sinn mache, weil hier die Beratung und die Kompetenz sei. Der Vertrieb über Apotheken unterstreiche Qualität und Nutzen der Präparate, die ursächlich für die Entwicklung der Marke waren. Im vergangenen Jahr erzielte die Firma bereits mehrere Millionen Euro Umsatz.

Auch Apotheker präsentierten sich bereits vor den Löwen: Stefan Wanning führte 2016 zusammen mit seinen Brüdern ein Beleuchtungssystem für Fahrräder vor und konnte sich eine Investitionssumme von 100.000 Euro sichern. Dümmel sicherte sich mit seiner Vertriebsfirma DS Produkte 30 Prozent der Anteile. Die Sendung ist an das britische TV-Format „Dragons’ Den“ angelehnt, das 2005 erstmals ausgestrahlt wurde und in zahlreichen Ländern Nachahmer fand.

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