Insektenprodukte für Apotheken

Wurm-Pasta vom Orthomol-Chef

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Berlin -

Alternative Lebensmittel liegen im Trend. Sojaschnitzel und Haferdrinks gehören längst zum Standardsortiment im Supermarkt. Weniger verbreitet sind insektenbasierte Produkte. Das will Orthomol-Chef und Investor Nils Glagau ändern – er bietet Apotheken Insekten-Pasta und -Proteinriegel der Kölner Firma Isaac Nutrition an.

Glagau ist seit 2019 ein Investor der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“. Sein Interesse an jungen Firmen bestand schon vorher. 2018 investierte er in das Kölner Start-up Isaac Nutrition; er hält ein Drittel der Anteile. „Die Gründer überzeugten mich von Anfang an mit ihren Ideen und Visionen zu Lebensmitteln auf Insektenbasis“, sagt Glagau. Er selbst hat nachhaltige Insektenprodukte schon lange auf dem Speiseplan.

Der Orthomol-Chef unterstützt die Gründer Tim Dapprich und Nicolas Viegener in den Bereichen Produktentwicklung, Marken- und Unternehmens­aufbau. „Auf der Welt essen schon zwei Milliarden Menschen regelmäßig Insekten und bei den Umwelt- und Ressourcenproblemen, denen wir derzeit global gegenüberstehen, sollte diese alternative, aber vor allem nachhaltige und gesündere Proteinquelle auch bei uns hier in Deutschland alltagsgerecht genutzt werden können“, so Glagau.

Laut einem aktuellen Ernährungsreport des Bundesernährungsministeriums (BMEL) können sich 31 Prozent der Befragten in Deutschland vorstellen, Nahrungsmittel zu kaufen, die aus Insekten hergestellt sind. Männer sind demnach mit 40 Prozent aufgeschlossener als Frauen (22 Prozent).

Insekten und daraus hergestellte Lebensmittel fallen unter die sogenannte Novel-Food-Verordnung. Das bedeutet, dass Insekten und Insektenprodukte vor dem Inverkehrbringen gesundheitlich bewertet und zugelassen werden müssen, sofern sie nicht vor einem bestimmten Stichtag (15. Mai 1997) in der Europäischen Union in nennenswertem Umfang verzehrt wurden.

Die Skepsis vor Insekten-Lebensmitteln kennen auch Glagau und die Gründer von Isaac Nutrition. Bisher finde die Lebensmittelkategorie vor allem bei Sportlern und Menschen mit einem sehr bewussten Lebensstil Anklang. „Wir haben uns in den letzten beiden Jahren zusammen mit Nils und seinem Team sehr intensiv mit möglichen Produktvariationen beschäftigt. Alltagstauglichkeit und vor allem der Geschmack spielen bei unseren Neuentwicklungen eine zentrale Rolle“, sagt Dapprich.

Das Start-up bietet Apotheken Aktionspakete und Werbematerial an. Zum Sortiment gehört auch Mehl, Porridge und Proteinpulver. Verarbeitet werden Buffalo-Würmer. Die Insekten seien bei der Aufzucht als Proteinquelle 20-mal ressourcenschonender als Kühe. Die Produkte werden auch über den eigenen Webshop und Internetportale verkauft.

Bei den Beteiligungen setzt Glagau auf die Expertise von Orthomol. In den Bereichen Marketing, Vertrieb und Produktion und über das eigene Netzwerk will er junge Unternehmen unterstützen. Vor allem Start-ups aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Bewegung interessieren ihn. Unter dem Stichwort „Orthomol Innovations“ sollten Produkte, Serviceleistungen, Technologien oder Geschäftsmodelle gefördert werden.

Glagau studierte Ethnologie mit Schwerpunkt auf Altamerikanistik. In Mittelamerika erforschte er die Maya-Kultur. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er Orthomol und leitet das 1991 gegründete Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern heute gemeinsam mit dem technischen Geschäftsführer Dr. Michael Schmidt.

 

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