Versandapotheke als Millionengrab

Disapo: Douglas musste Insolvenzantrag abwenden

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Berlin -

Mit Disapo wollte die Parfümeriekette Douglas den Apothekenmarkt aufmischen, doch das Prestigeprojekt der früheren Konzernchefin Tina Müller ist längst zum Millionengrab geworden. Im Streit mit den Alteigentümern ging es handfest zur Sache, selbst ein Insolvenzantrag musste abgewendet werden. Und zum Börsengang ist der Konzern sein Sorgenkind immer noch nicht losgeworden. Im Gegenteil: Auch nach dem geplanten Verkauf bleibt Douglas an Bord.

Sebastian Kraus übte im Streit erfolgreich Druck auf Douglas aus.Foto: Disapo

Am 9. Februar 2022 unterzeichnete Douglas den Kaufvertrag für Disapo mit Sitz in Heerlen sowie die gleichnamige Tochterfirma in China. 33,6 Millionen Euro zahlte der Konzern für den Versender, der gerade erst von Frankfurt nach Heerlen umgezogen war. Bis zu 10 Millionen Euro, so wurde vereinbar, sollten noch hinzukommen, abhängig davon, wie sich das Geschäft bis zum Jahr 2025 entwickeln würde.

Doch nach Zahlung der ersten Rate kam es zum Streit mit den Verkäufern, dem Unternehmer Sebastian Kraus aus der bekannten Pforzheimer Apothekerfamilie sowie dem eigentlichen Gründer von Disapo, Apotheker Franz Michael Peikert aus Offenbach. Der Konzern fühlte sich hinsichtlich einiger Angaben im Zahlenwerk getäuscht und wollte den vereinbarten Kaufpreis deutlich drücken. Es ging um angeblich unbezahlte Rechnungen und andere Ungereimtheiten.

Insolvenzantrag als Druckmittel

Kraus und Peikert dagegen pochten auf vollständige Begleichung des vereinbarten Kaufpreises, offen waren bis zu 22,5 Millionen Euro. Sie verlangten Schadenersatz, Kraus leitete außerdem ein Gerichtsverfahren gegen Disapo wegen seiner Entlassung als Direktor im Dezember 2022 ein. Und um ihrer Forderung noch mehr Nachdruck zu verleihen, reichten sie beim niederländischen Gericht einen Insolvenzantrag für Disapo ein.

Im August einigte man sich dann doch noch, Douglas zahlte 14,2 Millionen Euro und machte damit endgültig Klarschiff. Kraus zog den Insolvenzantrag zurück.

Dass Douglas so schnell einknickte, hatte wohl auch mit dem geplanten Exit des Finanzinvestors CVC zu tun. Als Nachfolger von Müller wurde der neue CEO Sander van der Laan damit beauftragt, im Konzern aufzuräumen. Nachdem man „verschiedene strategische Optionen für die verlustbringende Disapo“ geprüft hatte, wurde Ende Februar eine Absichtserklärung mit einem potenziellen Käufer unterzeichnet. Bis zum Abschluss der Buchprüfung hat sich der Konzern verpflichtet, bis Ende März mit keinem anderen Interessenten zu verhandeln.

Symbolischer Kaufpreis

Schon jetzt räumt Douglas ein, dass der Kaufpreis eher symbolischer Natur sein wird und man im Falle eines Abschlusses zur Sicherung der Liquidität wahrscheinlich noch eine Abschlagszahlung im mittleren bis hohen einstelligen Millionenbereich leisten muss. Dem Vernehmen nach handelt es sich bei dem Interessenten um ein kleineres Unternehmen, das sich selbst gar keine großen Sprünge leisten kann.

Der Börsengang von Douglas verlief wenig erfolgreich.Foto: APOTHEKE ADHOC

Douglas wird voraussichtlich über ein Wandeldarlehen investiert bleiben. Immerhin hat der Konzern schon einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investiert: Waren die Beratungskosten für die Übernahme zum 7. April 2022 mit 600.000 Euro noch vergleichsweise gering, mussten direkt Forderungen im Wert von 1,9 Millionen Euro abgeschrieben werden.

75 Millionen Euro Kredit nahm Douglas für Disapo insgesamt auf. Doch auf einen grünen Zweig kam man nie: Alleine in ersten halben Jahr nach der Übernahme erzielte die Versandapotheke zwar einen Umsatz von 42,6 Millionen Euro, aber auch einen Verlust von 11,8 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr von Oktober 2022 bis September 2023 lagen die Erlöse dann bei 55,7 Millionen Euro – deutlich weniger als die 87,1 Millionen Euro in den zwölf Monaten zuvor.

Fuß in der Tür

Zwar dürfte es Douglas in seiner Rolle als künftiger Gläubiger von Disapo vor allem darum gehen, die Verluste irgendwie zu begrenzen. Andererseits hält sich der Konzern einen Fuß in der Tür. Vor einem Jahr hatte der Konzern jedenfalls noch mit einem Auge auf die Einführung des E-Rezepts geschielt, womöglich wird der Apothekenmarkt ja doch noch einmal interessant.

Im Moment hat das Management aber ganz andere Sorgen. Der Börsengang verlief alles andere als erfolgreich. Nachdem schon der Ausgabepreis mit 25,50 Euro unterhalb der angepeilten Spanne von 26 bis 30 Euro gelegen hatte, rutschte die Aktie am gestrigen ersten Handelstag ab und ging mit 23,06 Euro aus dem Handel – ein Minus von 11,3 Prozent.

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