Gericht verbietet Rezepturen für Ärzte

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Berlin - Wenn Ärzte eine individuelle Zubereitung verordnen, muss die Apotheke liefern. Aber gilt dieser Grundsatz auch im Praxisbedarf? In Fällen, in denen Mengen auf dem Rezept stehen, die offensichtlich für die Behandlung zahlreicher verschiedener Patienten genutzt werden? Nein, entschied jetzt das Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht (VG). Die Richter untersagten einem Apotheker aus Kiel die weitere Auslieferung seiner Spezialpräparate. Der Pharmazeut warnt vor dramatischen Folgen für die Versorgung.

Thomas Steffens, Inhaber der Kronen-Apotheke am Dreiecksplatz, hat sich unter Kollegen überregional einen Namen gemacht. Nicht nur wegen seines besonderen Temperaments, sondern vor allem wegen seines galenischen Fachwissens, mit dem er seit Jahrzehnten im Bereich der Rezepturherstellung neue Maßstäbe setzt. Wenn der 75-Jährige sich zur Ruhe setzen würde, hätten Praxen in ganz Deutschland ein Problem. Oder wenn er seinen seit Jahren schwelenden Streit mit dem Landesamt für soziale Dienste nun endgültig verlieren würde.

Seit 1979 stellt der Apotheker beispielsweise eine 10-prozentige Fluorescein-Injektionslösung für die Fluoreszenzangiografie her. Damals sei ein Professor von der Uniklinik auf ihn zugekommen, erinnert sich Steffens. Dieser habe sterile Einwegspritzen gewünscht, weil es bei den in Bördelflaschen abgefüllten Fertigarzneimitteln immer wieder Probleme mit der Auskristallisation des Wirkstoffs gegeben habe. Diese sei vor allem bei der Lagerung im Kühlschrank nach Anbruch aufgetreten.

So stellte Steffens fortan regelmäßig einen größeren Ansatz her, den er unter Stickstoff in jeweils 64 Einwegspritzen à 5 ml abfüllte. Einmal pro Monat kam ein Rezept aus der Klinik, meist freitags habe er sich dann gemeinsam mit einer PTA um die Anfertigung gekümmert, erinnert sich der Apotheker. Nach der Wende seien auch Ärzte aus den neuen Bundesländern auf ihn aufmerksam geworden, sodass sein Einsatz alle zwei Wochen gefragt gewesen sei.

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