AOK: Steril ist zu viel

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Berlin - Was ist eine parenterale Lösung und wie wird diese abgerechnet? Um diese Frage dreht sich ein Rechtsstreit zwischen der Alten Apotheke in Stuttgart und der AOK Bremen/Bremerhaven. Jetzt hat Apothekerin Petra Steinbeck in zweiter Instanz Recht bekommen.

Die Apotheke im Stadtteil Feuerbach stellt Spritzen aus den fettlöslichen Vitaminen A, D3, E und K1 her. Die Spritzen entsprächen den ehemaligen „ADEK-Ampullen“ der Firma Falk, die nicht mehr im Handel erhältlich seien, informiert die Alte Apotheke auf ihrer Website. Sie werden individuell entsprechend der ärztlichen Verordnung hergestellt und deutschlandweit versendet. Bei der Abrechnung mit der AOK berief sich die Apotheke auf Anlage 3 der Hilfstaxe – rechnete die Spritzen also als parenterale Lösung ab.

Die Krankenkasse bezahlte zunächst die in Rechnung gestellten Beträge, beanstandete im August 2010 aber die Abrechnung. Statt Anlage 3 der Hilfstaxe hätte die Apotheke den Rezepturzuschlag nach Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) zugrunde legen müssen, so das Argument. Ein Widerspruch der Apotheke wurde mit der Begründung abgelehnt, dass es sich bei den Vitaminspritzen nicht um parenterale Zubereitungen als Infusionslösung handele. Im Februar 2011 retaxierte die AOK rund 1000 Euro von der Alten Apotheke. Diese Rexation ist unrechtmäßig, urteilte kürzlich das Landessozialgericht Baden-Württemberg (LSG) und bestätigte damit ein vorangegangenes Urteil des Sozialgerichts Stuttgart (SG).

Die AOK stützte sich auf ein Gutachten der Pharmazeutischen Beratungs- und Prüfstelle im Land Bremen. Demnach ist der Arbeitsaufwand für die Spritzen zu gering für den abgerechneten Preis. Die Apotheke stelle die Spritzen nach einer Standardrezeptur her, es handele sich darum nicht um eine parenterale Zubereitung, sondern um eine Defektur. In der Hilfstaxe seien Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln geregelt, in der AMPreisV Zubereitungen aus Stoffen. Außerdem sei die Abrechnung der Apotheke widersprüchlich, da der Rezepturzuschlag pro Applikation abgerechnet wurde, die Zuzahlungen jedoch pro Rezept.

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