„Nicht alles, was Kassen von Apothekern verlangen, ist rechtmäßig“

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Berlin - Es sieht nicht gut aus für die Privilegierte Rats-Apotheke aus Uslar: Vor dem Landgericht Hamburg (LG) haben Inhaber Hermann Rohlfs und sein Team heute versucht, die Auseinzelung von Eylea (Aflibercept) zu verteidigen. Doch der Vorsitzende Richter Dr. Axel Enderlein stellte schon kurz nach Beginn der Verhandlung klar, man sei weiterhin der Auffassung, dass die Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts (OLG) aus dem Jahr 2011 richtig gewesen sei. Die Richter hatten einer Apotheke verboten, Lucentis (Ranibizumab) auszueinzeln.

Da es sich bei Aflibercept um einen Wirkstoff handele, der biotechnologisch hergestellt werde, fielen entsprechende Präparate in den Geltungsbereich der EU-Verordnung 726/2004. Diese schreibt vor, dass bestimmte Arzneimittel nur dann in den Verkehr gebracht werden dürfen, wenn dafür eine Genehmigung erteilt wurde. Aus Sicht der Richter greift der Einwand, dass es sich bei den ausgeeinzelten Spritzen um Rezepturen handele, nicht: Schließlich sei in der Verordnung keine Ausnahme für Rezepturen vorgesehen.

Da der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem ähnlichen Fall zur Auseinzelung von Lucentis durch den Kölner Herstellbetrieb Apozyt auf die Ausnahmen für Rezepturen hingewiesen habe, müsse dieser Aspekt zwar auch berücksichtigt werden. Die Richter sind allerdings der Meinung, dass es sich bei den ausgeeinzelten Spritzen nicht um Rezepturarzneimittel handelt.

Die Zulassung des Originalherstellers greife nicht. Dies sei laut EuGH-Urteil nur dann der Fall, wenn das Abfüllen nur auf ärztliche Anweisung hin erfolge und das Arzneimittel nicht verändert werde. Letzteres sei aber der Fall, da sich die Haltbarkeit der Präparate ändere. Das sei ein ganz wesentliches Kriterium und eine klare materielle Veränderung des Arzneimittels. Und damit wäre eine neue Zulassung erforderlich.

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