Großhandels-Botendienstler gibt auf

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Berlin - Günther ist völlig fertig. Erschöpft lehnt der 53-Jährige an seinem Lieferwagen und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Aber er muss weiter, drei Päckchen hat er noch. Bis vor Kurzem war er nur Großhandelsfahrer und sein Leben eigentlich anstrengend genug. Aber seitdem er den Botendienst für die Apotheken auf seiner Route mit übernommen hat, steuert er mit Vollgas auf den Burnout zu.

Ob er nicht nach der letzten Tour noch eine kleine Runde drehen und ein paar Arzneimittel ausfahren könne, hatte sein Chef gefragt. Nicht viel, nur an die älteren Herrschaften, die abends nicht mehr selbst in die Apotheke kommen können. Gäbe auch extra Kohle. Klar, hatte Günther gesagt, warum nicht. Als Sub-Sub-Unternehmer kann er jeden Zuschuss gut gebrauchen.

Am ersten Tag war nur die Rosen-Apotheke für den Service angemeldet. Nachdem Günther die Wannen in die Schleuse gestellt hattte, bekam er von der PTA die verschlossenen Tüten und eine liebevoll vorsortierten Adressliste. Vier Päckchen, kleine Route, kein Problem. Dachte Günther. Die erste Kundin war nicht zu Hause. Egal, dachte Günther, fahr ich zum Schluss nochmal vorbei.

An der zweiten Station hatte er mehr Glück und traf Frau Graf an. Ups, den Namen darf er eigentlich gar nicht sagen. Naja, egal. Das Päckchen ist Günther aber wieder nicht los geworden. Denn Frau G. schaute gleich nach und stellte empört fest, das sei das falsche Medikament. Den Rabattvertrag kennt Günther nicht und hat auch keine pharmazeutischen Bedenken, allmählich aber keine Zeit und Lust mehr. Er fährt mit noch immer vier Tüten zur dritten Station.

Endlich ein Erfolg. Herr Weidemann, Herr W., ist da und will die Sendung auch behalten. Ob Günther nur vielleicht noch diesen Umschlag in den Briefkasten zwei Straßen weiter einwerfen könne? Kann er, zähneknirschend. Bei Station Vier soll er „nur“ den Müll mit rausbringen. So geht das jetzt jeden Tag – und Günther ist nicht allein mit seiner Last. Sein Kumpel Rüdiger fährt auch aus und sollte sogar den kleinen Leander vom Spielplatz abholen und mit nach Hause bringen! „Und der ganze Heckmeck für 5 Euro Honorar? Wie machen die Apotheker das bloß?“, fragt Günther. „Keine Ahnung“, sagt Rüdiger.

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