Pharmatechnik und CGM

Konnektoren: Erste Apotheken angeschlossen

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Berlin -

In gut zwei Monaten sollen alle Apotheken an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen sein und heute beginnen die großen Softwarehäuser mit der Auslieferung der Konnektoren. Während CGM die Kronen-Apotheke von Inhaber Jens Wiegland in Rheinland-Pfalz als erste angeschlossen hat, kürte Pharmatechnik die Apotheke am Borkener Klinikum von Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) und Aspirantin auf den ABDA-Vorsitz.

Für Overweining war es nach eigenen Angaben ein großer Moment. „Das war ganz aufregend, wir waren alle sehr gespannt“, sagt sie. Zumindest optisch war der „historische Tag“, wie ihn Pharmatechnik-Geschäftsführer Dr. Detlef Graessner nennt, recht unspektakulär: Ein Techniker fuhr im PKW vor, nahm den Konnektor aus dem Kofferraum und schloss ihn im Betrieb an. Nach etwa einer Stunde war alles erledigt. „Ich bin positiv überrascht, wie zügig das über die Bühne ging. Das ist ein historischer Moment“, so auch Overwiening.

Und tatsächlich werden die kleinen Boxen das Apothekenwesen in der nahen Zukunft verändern. „Das ist eine ganz großartige Sache und wir müssen alle zusammenarbeiten, damit das E-Rezept zum Fliegen kommt“, sagt Overwiening und betont, dass an einer nachhaltigen Digitalisierung des Apothekenwesens auch kein Weg vorbeiführt. In einem immer komplexer werdenden Therapieregime bei einer gleichzeitig alternden Bevölkerung müssten sich die Akteure im Gesundheitswesen stärker vernetzen. „Der Grundgedanke ist brillant“, sagt sie und betont, dass sie davon überzeugt sei, dass das E-Rezept die Apotheken vor Ort stärken werde. „Für diese Stärkung ist es aber dennoch wichtig, dass der politische und gesetzgeberische Rahmen so fein justiert wird, dass das niemand ausnutzen kann“, fordert sie.

In großen Teilen sei das gesetzgeberisch auch so umgesetzt worden, wie von der Apothekerschaft gefordert, sagt sie. In einem entscheidenden Punkt allerdings ließ sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beim Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) nicht von der ABDA abbringen: „Der Teil im PDSG, dass der Patient keine einheitliche staatliche App nutzen muss, um das E-Rezept in die Apotheke zu kriegen, ist ärgerlich“, sagt Overwiening. Ein Monopol für die DAV-Webapp wäre ihr lieber gewesen. „Wir hoffen deshalb, dass wir die DAV-App so gut gestalten, dass wir dieses Manko ausgleichen können.“ Die Hoffnungen, dass es die Standesvertreter schaffen, politische Nachbesserungen durchzusetzen, halten sich bei der AKWL-Präsidentin und Spahn-Bekannten aber in Grenzen. „Ich glaube nicht, dass wir an der Stelle jetzt akut eine Einwirkungschance haben, aber in Zukunft können wir da sicherlich noch etwas erreichen.“

Jetzt ist ohnehin erst einmal die praktische Umsetzung an der Reihe. Zweifel an der Einhaltung der Anschlussfrist zum 30. September will Graessner nicht aufkommen lassen. Pharmatechnik habe 120 Techniker und könne täglich drei Installationen durchführen. „Und das werden wir konsequent durchziehen. Wir schaffen das“, sagt Graessner. „Es ist ein guter Tag für die deutschen Apotheker und wir als Softwarehäuser werden sie da massiv unterstützen.“

Das verspricht auch die Compugroup Medical (CGM): „Bei einer Bestellung über die CGM profitieren Apotheken von einem Erfahrungsschatz aus über 55.000 erfolgreich durchgeführten TI-Installationen“, schreibt sie. Der erste Apotheker, der von CGM an die TI angeschlossen wurde, war Jens Wiegland aus Undenheim. „Für uns liegen die Vorteile der TI ganz klar auf der Hand“, freut der sich. „Die TI ermöglicht eine sektorenübergreifende sichere Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen. Darauf haben wir Apotheker lange gewartet. Schließlich sind wir Apotheker oft der erste Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Gesundheit.“

Durch den neuen Informationszugang durch die TI-Anbindung – Wiegland nennt insbesondere Notfalldaten und Medikationspläne – „können wir unsere Medikationsempfehlungen zukünftig noch individueller auf die jeweiligen Bedürfnisse des Kunden ausrichten. Gleichzeitig wird die Arzneimitteltherapiesicherheit gesteigert, da beispielsweise Wechselwirkungen oder Kontraindikationen frühzeitig erkannt und entsprechend vermieden werden können.“ Durch dieses verbesserte Beratungsangebot stärken die Apotheken demnach die Bindung zu den Kunden und damit auch ihre Wettbewerbsposition.

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