„Das E-Rezept wird keine eigene Webseite haben“

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Berlin - Wer noch dachte, dass nach dem Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) und die Eingewöhnung in neue Arbeitsprozesse erst einmal Ruhe einkehrt, hat sich ordentlich getäuscht. Noch während die bereits veraltete TI ausgerollt wird, kündigte die Gematik einen Komplettumbau hin zu einer TI 2.0 an. Also alles von vorn? Nein, erklärt COO Dr. Florian Hartge. Es werde zwar grundlegende Veränderungen geben, im Arbeitsalltag am HV werde sich das aber nur bedingt bemerkbar machen.

Das Verständnis hielt sich bei den meisten Apothekern in Grenzen: Da wird seit Jahren auf die Einführung und vollständige Inbetriebnahme der TI hingearbeitet – und dann wird mitten in der Einführung verkündet, dass das Konzept veraltet ist und schon bald wieder ersetzt werden soll. Hartge verteidigt die Entscheidung. „Das Konzept der Telematikinfrastrukur ist zehn Jahre alt. Das macht es nicht weniger sicher, aber bei Themen wie Flexibilität, Komfort oder Wartbarkeit ist die Welt heute weiter und da erwarten Anwender entsprechend mehr. Wenn wir es ernst damit meinen, den vorletzten Platz in Europa bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens hinter uns lassen zu wollen, dann müssen wir jetzt auch ernsthaft handeln“, sagt er.

Ab 2025 soll das bisherige System deshalb schrittweise wieder abgeschafft und die Migration der teilnehmenden Nutzer und Anwendungen in die TI 2.0 erfolgen. Die soll nicht mehr die in den vergangenen Jahren viel beschworene „Datenautobahn“ sein, sondern eine „Arena für digitale Medizin“: Ein gesichertes digitales Netzwerk soll über den normalen Internetzugang erreichbar sein – das geschlossene TI-Netz, in das sich die Teilnehmer mit Konnektoren einwählen, hat dann ausgedient. Statt sich dort wie heute mit HBA und SMC-B auszuweisen, soll primär eine „eID“ anwendungsübergreifende Versorgungsprozesse mittels Single Sign-on ermöglichen.

„Grundsätzlich haben wir schon länger über diese Neukonzeptionen nachgedacht, Anfang letzten Jahres war da bereits ein Kristallisationspunkt erreicht, auch bezüglich der Veränderung der Rolle der Gematik“, sagt Hartge. Im Sommer habe das mehrheitlich bundeseigene Unternehmen das mit seinen Gesellschaftern besprochen und im Herbst die Ergebnisse zusammengestellt, die es nun in die öffentliche Debatte einbringen will. „Das Thema TI 2.0 mitten in der bundesweiten Einführung der TI 1.0 zu präsentieren, verunsichert natürlich auch Menschen, aber wenn wir es jetzt nicht in die Diskussion werfen, wann sollen wir es dann tun?“

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