TI-Anschluss: Wettbewerb auf Kosten der Apotheken?

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Berlin -

Der verpflichtende Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) gehört ohnehin nicht zu den Lieblingsprojekten der meisten Apotheker. Als wäre der Frust über die Umsetzung der politisch verordneten Digitalisierung noch nicht genug, sind immer mehr Apotheker wütend auf die IT-Häuser: Denn wer sich nicht für den Konnektor seines Warenwirtschaftsanbieters entscheidet, dem drohen saftige Zusatzkosten für den Anschluss von Fremdkonnektoren – dabei sind die weißen Kästen komplett standardisiert. Der Vorwurf: Die IT-Häuser treiben ihren Wettbewerb auf Kosten der Apotheker. Doch ist da etwas dran? Und wie viel müssen Apotheken zusätzlich berappen, wenn sie bei der Konkurrenz buchen?

Bisher war der Markt für Apotheken-IT recht überschaubar: Eine Handvoll großer Anbieter teilte sich den Kuchen, Verschiebungen von Marktanteilen fanden eher in kleinen Schritten statt. Doch der Digitalisierungskurs von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Schwung in den Markt gebracht. Jede Apotheke muss künftig in der Lage sein, in die TI zu kommen, um die vorgeschriebenen Fachdienste und -anwendungen zu nutzen. Plötzlich steht da ein ganz neuer Kuchen: Die Softwarehäuser kämpfen darum, ihre TI-Pakete samt Konnektor und Kartenterminals sowie der zugehörigen Serviceleistungen unters Volk zu bringen. Und als würde der neue Wettbewerb nicht reichen, hat sich auch noch ein neuer Konkurrent in den Markt geschlichen, der mit einem alternativen Anbindungskonzept ein gar nicht so kleines Stück vom neuen Kuchen abhaben will.

Nun ist es natürlich naheliegend, den Konnektor bei dem Haus zu bestellen, dessen Warenwirtschaftssystem man nutzt. Verpflichtend ist es jedoch keineswegs und die meisten Apotheker vergleichen entweder das Angebot ihres Warenwirtschaftsanbieters mit dem der großen Konkurrenzhäuser, sei es Noventi, Compugroup Medical (CGM), Pharmatechnik oder ADG. Oder aber sie liebäugeln gar damit, sich den Konnektor nicht in die Offizin zu stellen, sondern auf das zentral gehostete Modell des Neueinsteigers Red Medical zu setzen. „Am Ende entscheidet die Apotheke, welche Lösung die Beste für sie ist, dies beinhaltet auch die Antwort auf die Frage, für welchen Konnektor sich die Apotheke entscheidet“, erklärt Pharmatechnik dazu auf Anfrage. Doch ganz so einfach ist es eben nicht.

Denn viele Apotheker fühlen sich verschaukelt: Bei manchen Anbietern drohen ihnen beinahe vierstellige Anschlussgebühren, falls sie sich entscheiden, den Konnektor eines Konkurrenten zu kaufen. Dabei unterliegen Warenwirtschaftssysteme und TI-Equipment identischen Spezifikationen, die von der Gematik zentral festgelegt wurden. Es steht also die Frage im Raum, ob die Höhe der Zusatzkosten verhältnismäßig ist. Und die wird zunehmend auch an die Standesvertreter herangetragen. „Bei der Apothekerkammer mehren sich die Anfragen zur TI-Anbindung, und zwar nicht nur zum Termin für die Freischaltung der Kartenanträge, sondern auch bezüglich des Anschlusses von in- oder extern stationierten Konnektoren“, sagt Berlins Kammerpräsidentin Dr. Kerstin Kemmritz. „Einige Kolleginnen und Kollegen beschweren sich regelrecht über die Kosten. Anscheinend lassen Information und Kommunikation mancher Anbieter derzeit in dieser Hinsicht durchaus zu wünschen übrig.“

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